Mittwoch, 26. Oktober 2016

das ist süRisch und sürisch

red ma deutsch
ess auF du klon
geb ma ketschupp rübber

musste sich mein kumpel anhören
immer und iMmer wieder
von leuten


welche Wissen
was ein befehl ist
nicht abEr ein imperativ

immer und immer wieder
von sechs biS zwölf
und von sechs bis zwölf

dann war er endlich soweit

und sagte zu seinen kumpels
auf der eRsten klassenfahrt

ey - red ma deutsch
ess auf du klon
geb ma ketsChupp rübber

dann fanden sie ihn doof

er konnte Ja nicht deutschsprechen
und deutsch konnte er ja auch nicht

auch nicht sein
auch nicht geWesen sein

geht ja gar nich

da war er dann allein

so oFt
immer und immer wieder

und weil er so viel allein war

sprach er nicHt mehr so viel
und wenn doch


dann sprach er nur mit sich selbst
zu sich selBst

so oft

denn die familie
sprAch nur sürisch
und sürisch

auch sie

die famiLie
war schon lange

vor ihm
endlich
soweit geMacht worden

und er war ja der jüngste
aber eben nichT mehr der jüngste

der kleine kärl

schon kurze zeit später

konNte er
auch nicht mehr

reden
nicht mal mehr reden
nicht mal meHr mit sich selbst

zu sich seLbst
er war soweit

dass er sich selbst nicht mehr

verstehen
konnte
so stAnd er dann


oft allein an der straße
und laUschte
dorthin wollte er dann doch noch gehen


weil er sich an
die regeln hielt
und hofFfte

und eines tages

noch viel später
fuhr ein junGe mit seinem mountain bike

durch die straße
und weiter einer omma in den rÜcken
und ließ sie fallen

nahm ihre handtasche

und fuhr mit dem rad
wieder Weg

eine nachtbar

hatte nUr
den zwölfjährigen gesehen

nach dem zwölfjährigen wOllte der nachbar
in der gebotenen geschwindigkeit
gar nicht sehen

und wEil der süre zu dieser zeit 

an dieser straße stand
und lauschte

nicht aber sprechen konnte
war er schuld
und Schuld

da schickten die leute ohne imperativ

den süRen
wieder nach hause

und die omma kam ins Krankenhaus




zu hause konnte der sürKe
aber auch nicht mehr sprechen

weil er eben

so lange nicht
meer
zu haUse gewesen war

da hatte er garkein zuhause mehr

stellte Er fest
musste er feststellen

somit stellte er sich wieder an die straße
und lauscHte
lief von da an immer wieder


in die straße
und lauschte
und eineS tages


noch viel später
fuhr ein junge mIt seinem mountain bike
durch die straße

und weiter einer oma
in Den rücken
und ließ sie fallen

nahm ihre handtasche

und fuHr mit dem rad
wieder weg

ein nachtsbar hatte nur den süren gEsehen
den deutschen
und den deutschen

schlug den deUtschen süren

ins gesicht und trug die oma
in ein krankenhaus

und weil der deutsche süre nicht

sprechen konnTe
kam der deutsche süre

ins gefängnis
der süre sowieso
dA konnte der deutsche süre


nicht mal mehr
an der straße stEhen
und lauschen

das ist sürisch
und sürisch

immer und immer Wieder

in diesem anderen Land


Mittwoch, 19. Oktober 2016

im Album rot kleiner drei (fast forward)

im Album, spulen, schnell nach vorn und zurück an andere Stellen
ich guck rein, ich hör da was, vielleicht jetzt endlich


something to eat, something to drink, something to close
ausgegraben, an dreißig Jahren her, so lange schon so alt


the waters flashing, the meat is biting, thy kingdom expecting
diese Klassenfahrt, erstmals Jugendlich, Ameland fern und fremd


to fly, to rain, to snow
benutzt, vielleicht hatt ich Angst, es war einfach so groß


top stowed, best begging, cranked cows
am Wasser, so weit voraus, in Wind verknittert


fried mind, solar mood, virgin fox
nebenhergehen, Stiefel trockenhalten, Ausfallschritte


creating flash, subsurving umbrella, imprinted shadow
das erste absolut andere Herzklopfen, rheingelassen, unbesiegbar


to rest in waggons, to hip on trails, to overdrive at least
Überraschung zum Geburtstag ein Witz, dagegen, in der Fremde


too small to simple, to force at once, illuminated
Gänsehaut unter Stoff, Kapuze unter Rausch, niemand hat gelacht


rainmaker, headphone, the bottom
geradlinig wankeln, nicht betrunken, und doch Bassmagen


how many paranoides, how many handsome, how much for the fish
erste Fragen ohne Betäubung, am offenen Herzen, offen unbewusst


the rule, the gate, the building
allein gegen angehen, anstehen, Druck aus Wind in Scham


a contract, a washing mashine, some more puppies
Weidekätzchen fühlen, Donnerwetter ohne Decke, so was zugleich


baby as monster, baby as sweets, ridicolous baby
Texte von anderen, jetzt gehören sie mir, absolute Geschenke


women was hired, father of deaf, religious axis
aufbäumen, Befreiungsschläge, Bewaffnung total unnötig


a bunch of flowers, a punch of charming, a stuck of regulatives
Klang und Sound, verinnerlichen, wetterfeste Werkzeuge bilden


brown sugar, melting point, opinion versus standpoint
kann es nicht alleine sagen, eindeutig, Du hast es geschafft

sounding monologue, fading dialogue, munding bleaches
hast Du fein hingekriegt, kann in Dir erkennen, Du wirst rot

the raffinery, at the market, the harbours for planes
es geht nicht allein, Du bist lebendig, Du hörst rauf und runter


in springtime, yearly birthday, nearly thanks giving
ich seh das, ich hör das, ich fühl das


hard desire, heart desease, laughing sure dead
Du bist rot von Anfang an, mir war es noch dunkel, dieses Album


LSD, trap, wanderlust
draufgegangen, wenn Du es nicht geschmuggelt hättest, in rot


grounding space, covered concrete, colored benches
zwei Fragen, zwei Sprachen, Hand in Hand


raging softenly back
ich trau mich nicht, Deine Hand zu nehmen, es ist ernst


outragous, licking, defending
nicht anmaßend sein, es mag sich ergeben, wie es Dir gefällt


appreciate the gallon of lone rules
ich spule vor und zurück, es ist heilig, wieder sechzehn sein


ask this father, he will smoke the papers
Mützchen am Wasser, Deine Haare plustern im Wind, wie Du gehst


be cruel to this mother, she will clean up a wisdom
und was war, was weh tat, ist jetzt endlich befreit


three coins of luck in sunset time
komm, wir gehen hier weg nach vorn voraus, lassen nichts zurück


sleep like a log, wind will never end, sun will always shine
was schlecht von außen kam, sei unser Dank, sei Wert nach Haus


the waters will be mine, thy will be done, thy kingdom come
in Erfahrung ankommen, wieder aufbäumen, Burg und Garten


the table will be layed, dead ahead, at the diner in the sun
zurückspulen, auf Anfang, immer wieder heilig

Dein rot, Dein Album, Deine Hand


Samstag, 1. Oktober 2016

Flucht oder Fahrt

komm, abhauen
oder rumfahren
was ist das, was soll es sein
was haben wir uns geschworen
wie alt sind wir geworden
was schulde ich dir
ein ganzes Leben
was haben wir angefangen
was weichen wir immer auf
was lösen wir denn noch aus
wofür treten wir noch an
wie haushalten wir unsere Kräfte
sind wir was feige geworden
große Klappe für die Wunschvorstellung
so hohe Ansprüche
eingefordert, selbst ungehalten
was bilden wir uns ein
das beeindruckt mich gar nicht
wir wollten stärker sein
als der Krieg, den wir nicht begreifen können
wie im Film, wie es dort gesagt wurde
mit dem Messer an der Kehle
hör auf, lass es sein
stattdessen haben wir gebumst
mehr war da nicht drin
ist doch so, oder
wir kommen ohne Formfehler durch
was soll das bedeuten
guck mal auf die Uhr, wieviele Schritte heute
alles im Lot, ganz ohne Bordmittel
du musst dir mal die Leberflecken entfernen lassen
wie sieht das denn aus
wir sind Natur, wir sind Papst, wir sind Fossball
total versaut, aber nur hintenrum
von außen moralvegan
gib mir endlich meinen Anteil, die absolute Aufmerksamkeit
ich werd dir geben, von wegen
du musst das auch mal einsehen
nicht mehr schlafen, für mich da sein
ich habe das verdient, ich hab's mir nicht leicht gemacht
hörst du wieder diese Schlampenmusik
die kann doch gar nicht singen, das soll Musik sein
darfst du ja, wenn's nicht zu häufig wird
dicker fetter nasser Schmatzer, im Würgegriff
da träum ich nachts noch von
wenn die Erschöpfung zu Schlaf bezwingt
dann schrecke ich auf
und geh ins Bad
direkt vor den Spiegel
und dann kann ich nicht mehr
und dann zieh ich mich an, schon draußen
im Hausflur, im Treppenlicht am Geländer
am Handlauf, so gegen halb vier
ein Befreiungsschlag, unten hinter der Haustür
so stell ich mir das vor, so glaube ich
so muss ich überleben
wenn ich doch alleine wäre
aber meine Heimat wohnt weiter weg
lässt mich nicht verlieren
und wieder auf der Straße, mittendrin
nicht kaltweiß, wie früher hinter der Fensterscheibe besehen
sondern orange, oder so was in diese Richtung verlaufend
so schwindelig, dann, auf einmal, von den Konturen her
dann fall ich eben um
in Farbe und Form
und ne Katze könnt mir gegen den Kopf pissen
total verrenkt
vielleicht seh ich dann endlich gegenüber Kanini wieder
im Augenwinkel, ebenerdig
auf Laub unter oder zwischen Büschen
und mein Hund ruft wieder in Erinnerung
und mein Cassettenrecorder widerruft von früher
alles nur in meinem Kopf, wieder unbescholten
und wenn die Luft in den Nacken greift
und die Schulterblätter krampfen
dann bleibt mir nichts mehr weiter übrig
als auf deinen Wagen zu warten, abzuwarten, zuzuhören
und ich fühl mich so schlecht, weil ich dich beschwere
und wir werden sehen
ob dein Wagen ankommt und hält
du weißt, dass ich dann da so rumliege
alles für nichts verschenkt, nur nicht für dich
das ist das Verrückte daran, von Anfang an
weil du gut bist, kriegst du nur die schlechten Zeiten ab
zum Neubeginn, ein schwaches Wrack
so verrückt bist du, dass Du diese Zeit erfühlen kannst
und dann deine Scheinwerfer auf der Straße auflesen
was die Wunschbilder und der Trugschluss übrig ließen
und du hast keinen Rest verdient
unbedingt
und der Glaube ist für dich keinen Pfifferling wert
du hast noch nichts begraben
das kam dir gar nicht in den Sinn
und trotzdem lässt du dich bestrafen
und erwähnst es nicht in einem Wort
sondern fährst so nah auf sicher heran
und öffnest beide Türen
niemals zuvor war es so schön im Trauma deine Schritte zu hören
und ich werde nicht nur dankbar sein, nichts nur zum Zweck
oder Nutzen, nichts benutzt
wenn du mich in deinen Wagen schleifst
und flüsterst und schnaufst und zerrst
und sagst
womöglich
komm, abhauen
oder rumfahren
was ist das, was soll es sein
was haben wir uns geschworen
ich fahr dich weg
du kannst wieder aufstehen
ich hab den Wagen vollgetankt
auch, wenn es uns're letzte Fahrt sein sollte
dafür hab ich mich bereits gelohnt
weil ich dich liebe
lass uns fahren
was möcht ich dir so gerne schuldig sein
ein ganzes Leben




Sonntag, 18. September 2016

andere Welt

Ich hab für Dich Orangen und Zitronen und Feigen und Oliven
und wenn nicht, dann geb ich Dir das, was ich hab
wenn Du meine Gründe betrittst
so lange ich übrig bin
setz Dich
entspann Dich
ein Boden kann ein Tisch sein
ein Boden kann der größte und weiteste und tiefste Tisch sein
an welchem alle Platz finden können
auch die anderen
und wenn wir selbst nicht rauchen
dann rauchst Du bitte, wenn Du so bist
wir besorgen Dir die Zigaretten
wir gehen für Dich dorthin, wo sie zu finden sind
wir belehren Dich nicht
und wir essen
und trinken
in der ganzen Welt
und machen uns nichts vor
und was sie uns genommen haben
holen wir Dir zurück
und sei es ein letzter Gedanke
und wir hören Deine Geschichten
und erzählen unsere, wenn Du magst
auf dass der Wind alle Sprachen für uns übertragen kann
und wenn wir nicht so sind
entgegen aller Urteile
dann haben wir versagt
genau wie Du
in einer anderen Welt



Donnerstag, 15. September 2016

Wetterrasse

Freiheit, Süße
bist noch nicht geborn
warst vielleicht mal kurz ein Trend in buntem Hemd
was wir uns zusammenreimen
wie sie munkeln
immer und immer wieder
von Bürgerkrieg schon wieder
wie wir nicht gelassen sind
wie wir reden
was wir sagen
wovon wir sprechen
wie wir mit dem Hammer zeigen
jedes noch so dünne Span
Blutfettwerte
zuckerkrank
energiegeladen
wie wir Feuer machen
hetzen, hassen, richtig sein
gleiches Recht für alle
Bürger Rinnenkrieg
Bürgeres
bürgeresk
die Sprache verkommt, wie sie sagen
wirklich ?
sie passt sich an, oder ?
und verbrennt, schmurgelt, lodert
sengt, zerfrisst
kann ich nicht hören
es hat sich ausgeduldet
Kaffeedurst bis Lippenkäse
Geifer zu Klärschlamm
die totale Lösung
spucken, rotzen, Benzin für Gas ins Feuer pumpen
schemische Reaktion
das kann uns niemand übel nehmen
drei Schinesen mit dem Kontra; Bass
Ich bring dich um, du Sau
Ich will dich nicht mehr sehn
Du dreckiges Schwein
Aufräumen und Saubermachen
Fegefeuer
nicht reinigend
säubernd
Ich werd dir zeigen was die Lehre ist
Du wirst jetzt lernen, was ich will
da hab ich keine Angst vor
Es ist nicht die Angst, die die Wut zum kochen bringt
es ist meins; und nicht deins
Und Schlagstock, Pistole und Gewehr
da lach ich doch drüber, viel zu umständlich
Ich hätt so gern nen Flammenwerfer
das wär ein Heidenspaß
überleg dir das mal, was man damit alles anfangen könnte
mit deiner blöden Fratze
pass auf, bald hab ich dich am Kragen
Frollein, Freundchen, asoziales Blag
Wehe, wenn ich dich noch einmal seh


Freiheit, Süße
bist noch nicht geborn




Montag, 12. September 2016

Wohlsein und Würde

wär nich schön
wenn n Hippie ne teuer Karre fahren würde
n Banker in ner frischen Flickenbuxxe auftreten
Theater und Schauspiel zum Beispiel auf m Wochenmarkt
ne Rockerin und n Rocker Ärztin und Arzt
Deine Mutter die wahre Bundestagspräsidentin
wenn se so will
und ein Vater schält so filigran die Kartoffeln
und räumt auch alles wieder auf; putzt als Strahlemann
wenn er so wollte
die feinsten Bratkartoffeln und Fritten machen könnt
Und Dein Geschwister schreibt ne Karte aus Battipaglia
während Oppa und Omma auf e Veranda sitzen; und fragen
Na, wie war ett denn heute
willst e noch watt essen; datt geht schnell warm
und wir fragen zurück und antworten nicht zuerst

wir machen auch mal was; unternehmen nicht erst dann
Und ne Tiefkühlpizza allein
nich nur Pappe mit Gewürz und Fitzel

ein Fisch nicht zu Angst auf Prozentanteil reduziert
ne Mutter noch Zeit für n Ponyhof übrig hätt
und Füttern nirgends mehr verboten wär
jede Bude aus massivem Material
Milch in alle Länder käm
und Äpfelchen aber auch
Wasser nicht als Luxus gilt
und alle Kinders segeln könnten; und von Segeln wüssten
ne Erzieherin noch was mit Zauberei machen dürfte
und Begriff als Vor-Urteil abgelöst und aufgelöst
Ein Fahrrad von der Post n E-Bike; zumindest, mindestens
Fernsehen aus jedem kleinsten Winkel heraus; nicht nur Programm
elektrische Zahnbürsten für immer halten würden
nur noch so die Köpfe ausgewechselt werden
Fahrrad lernen wieder Wunder wär; so gefühlt; von kleinauf an
Fahrstuhl fahren nicht Pudding in den Beinen; gut für den Bauch
und ne Frau mit zwei Kindern nich nur zwei Würstchen kaufen kann
sich das leisten können; und darüber hinaus für mehr Kinderessen
und ein Vater an der Ampel nicht von Kind an wegsieht
ein Kind sich nicht mehr schämen muss

nicht mal ansatzweise mehr verwundet wird
Luxus nicht von Menschen gemacht sein
die Liebe jede Religion verspotten könnt; gleichfalls
Silvester nicht nur als Dubai als Highlight knallen
lecker Muscheln nicht nur für paar Monate
die Gerüchteküche nicht mehr klappen würde
Sprache nicht so wichtig wär wie Krieg
n Kopf nich an ne Dunstabzugshaube dellern
Gespenster raus, Gespinste her
sie tragen keine Rechte
wir haben unseren Beitrag geleistet; verdient
wir sind von Anfang an da durch gegangen; oftmals heimlich sogar
Baustellen endlich für alle Beteiligten guten Krach machen
Süchte nur noch schön und Wertschätzung
Rauch nicht mehr in über siebzig schlechten Stoffen besteht
Obst nicht sündhaft teuer ist; für und gegen jede Teilhabe
Pflücken ein Spaziergang ist
Freispiel keine Lehre
und Platzwunden nur noch mit gickern und ohne leiden
Verdingkinder müssen nicht mehr weitermachen
Schlüsselkinder sind schon groß und wollen das so haben
selbst und selber
Prügelkinder kennen wir nicht mehr
kleine Biester und süße Monster sind ausverkauft
die Raben sind ein schöner Herbst
und Stille niemals Ignoranz
Stachelbeeren wieder nebenan aufwachsen; mit Rhabarberstrünken
ett is nich ekelich; es ist nicht voller Dreck
und Spucke wieder für Brennesseln ausreicht; kühlt und lindert
all solches farbig, froh und fruchtig
und Saures wirklich nur noch süß und lustig macht
die Tage nicht mehr blenden
die Nächte ohne Teufelsgeiger reichen
niemand mehr blendend aussehen muss
Licht und Sonne für immer friedlich sind
Befehle schlichtweg als Imperative verbleiben
und warum nicht Flieder züchten
wenn es dann für immer leuchtet und duftet
Geschwister nicht verbiegen und verrenken
Spargelstechen nicht für arm und Rücken ist
mindestens vier Jahreszeiten an der Moldau sind
die Seen und Flüsse betten wir uns selber ein
wir schlafen doch nicht gern auf Müll
Wiesen, Wipfel und Kronen schneiden wir aus Postkarten heraus
vollidiotisch wird uns lieb behutsam
wir investieren uns nicht mehr kaputt
und rote Ampeln nicht stressen; sondern gut und Gut
für küssen und knutschen werden
Kirmes nicht zu Attraktion vergammelt
und jede, jedes und jeder ein feines Bäumchen
für die ganze Stadt gepflanzt
wär schön
oder etwa nicht




Montag, 5. September 2016


Fliederwand

rausdürfen, endlich
Augenkneifen, der Sonne wegen
knippern, die Kruste muss ab
wohin, wohin zuerst
sind noch alle da
an der Bank, die Spucke und die Malzeichen
auf der Rutsche, die Mutigen mit Rad oder Kopfstand
auf der Reifenschaukel, so einfach singen und fliegen
die ganze Combo, so losgelöst
und wie der Reifen sich dreht
und wie da angschubst wird, von den anderen
behutsam, wenn gesungen wird
nicht gegen den Balken gedonnert, als Mutprobe
Auf dem Donnerbalken
saßen die Gestalten
und sie schrien nach Klopapier, Klopapier
Aber alles schon besetzt
und sie gucken weg
weil sie nicht verstehen, sich aber vorstellen können
und sie gucken weg, in gut gemeint
alleingelassen, aber nicht schämen müssen
trotzdem schämen, wie auch immer
aber nicht reden müssen, oder sprechen
Ganz ruhig
da vorne, bei Schneiders
an all dem anderen vorbei, mittendurch, nur wenige Schritte
wenn sie ausgelassen beschäftigt sind, eher unauffällig
Die Schneiders im Kittel, und Schürze extra oben drüber
und sie schimpft, und sie schreit, und sie schwingt den Besen
wenn wir Osels, die Kinders, zu nah an ihrem Grundstück stehn
Ich kann nicht anders, wenn rausdürfen, endlich, angelangt ist
Dann muss ich dahin
vor die Fliederwand
Ihr Eckstück, die lange Seite am ganz geraden Bordstein dahin
gegenüber der Straße, hinter den zwei Bürgersteigen, so nah angrenzend
Ein Mann oder Opa oder Oppa oder Großvater ist nicht mehr da
Sie schreit immer nur allein
dabei ist der Flieder so schön, so wehend nebeneinander
so wiegend und so vorsichtig, so ganz ein bisschen
wie flüstern und schmunzeln
und leise alles sagen können, ganz deutlich, sogar so laut sehen
ganz angenehm, in so gemütlich leise, all das einfach endlich hören können
was gut ist und was weh tut, und wie es heilemachen kann
und wie es nicht schlimm ist
wenn der Flieder schunkelt und funkelt und leuchtet und glitzert
wie Blüten sogar spiegeln können und gar nichts blendet
und sogar nichts mehr vom Gucken in den Augen wehtun kann
wenn man gar nicht mehr weggucken muss
wenn man endlich erledigt, wieder nur für schön zuhören darf
und sehen, wie die Fliederwand sich anfühlen kann
wenn die Schneiders wieder schreit und verjagt
wenn sie das so will
aber das dann gar nicht mehr geht, es nicht mehr greifen kann
sie ist nicht mehr zu hören, sie ist nicht mehr zu sehen
wenn der Flieder wiegt
und wenn der Bordstein gegenüber
die schöne Grenze neben der Straße ist
gegen diese niemand mehr sein kann
Und dann sitzen, die Borde fühlt sich gar nicht hart an
sie tut nicht weh, egal, wie lange dann ein Stunde ist
oder die Zeit bis Abendbrot
und der Ruf laut wird
und wieder aufstehen müssen
wenn die Beine so gemütlich müde geworden sind
und die Hände gute Stütze warn
und die Ellenbogen mal endlich Pudding in gut
das Biegen keinen Schmerz verursachen kann
Biegen eine Spannung ist, wie auf Trapez
für schön und gut und anmutig, für vorwärts
und die Handflächen, die so wohlig weichen Bäckchen in der Hand
von innen ganz warm, und kleinste Steinchen der Schrittplatten
gar nicht pieken oder zwirbeln, wenn sie wie feine Erde sind
gute Klumpen, kleine Klümpchen
und Ausruhen
Und in den Schuhen alles mögliche vor sich herschieben können
auch die kleinsten Dinge
und nach links und nach rechts und wieder zurück und hin und her
ein Stein zum Steinchen oder Kiesel klickert
sich das einfach gut anhört, auch das kleinste zu hören ist
auch in der Rinne, sogar mit Hacke, Kicken sein kann, wie sonst nur mit Ball
so klein in so groß, auf kleinstem Platz, und nichts geht mehr daneben
und vielleicht gurgelt dann
sogar der Gully nicht mehr
und auf den Boden gucken ist gar nicht mehr nötig
die Erde wird gefühlt
was daraus geworden ist, aus all den anderen Resten
die kleinsten Teilchen dort
auch in schwarz und dunkel nichts Schlimmes mehr bedeuten müssen
auch keinen Dreck
In Ruhe aufsehen und hingucken, nach vorne hin voraus
an die Fliederwand
auf der anderen Seite, da gegenüber
und Jägerzaun ist keine Grenze, und Maschendraht auch nicht mehr
und mauern übersehen
wenn nur noch eher dünne Äste feine Strünke sind
welche diese feinen Farben tragen
was ganz anders ist als kornblumenblau
direkt vor der Haustür, nicht erst so weit weg in den Feldern
dieses eigene leuchten
und schnuppern und zischeln wie flüstern in ganz schön
und wie es duftet und nichts nach Seife schmeckt

wie es so herüberweht, natürlich, ganz einfach so, erblüht
die Ruhe endlich einkehrt
und die Kraft erwacht und sich ganz leicht wiederfinden lässt
kein Glaube und kein Wunsch mehr nötig sind
wenn es wirklich wahr ist
wie sich das da anfühlt
und Ansehen erlaubt
Und wenn die Arme dann wieder im Schoß landen
und die Beine wieder beieinander stehn
nichts mehr hin und her geschoben werden braucht
dann lässt die Schneiders auch den Besen sinken
und sieht genauso aus wie vorher
aber das Schreien ist weg und das Verjagen auch
Sie ging dann rein
und da klapperte auch kein Geschirr mehr aus der Küche raus
So eines Tages, scheinbar ganz von selbst, keine Ahnung
da muss ich wohl noch drüber nachdenken, nichts übersehen
vielleicht bisher zu viel nur einseitig betrachtet oder gefühlt
Der Flieder schob sich zusammen, die einzelnen Blütenkörbchen
wie die liebe Zudecke in der Nacht
Strünke zu Stärke, Ast ist stärker als Holz, Kraft wie ein Fort
es geht nicht nur um Burg und Stein und Stahl, so unbeweglich
und dann so innerlich sagte: lass es gehn, lass es einfach gehn
wann immer Du magst, wo immer Du stehst
Du brauchst Dich nur zu erinnern, Du kannst es für immer haben
es behalten, geschenkt, kostet nichts, nichts in schlecht
und so lang die Schneiders schimpft und schreit
bin ich immer für Dich da
Und wenn sie nicht mehr schimpft und schreit
und sie mich womöglich umhauen
dann kannst Du Dich an mich erinnern, ganz eigen
und endlich ankommen, ganz von selbst
egal zu welcher Zeit, für immer.