Sonntag, 18. September 2016

andere Welt

Ich hab für Dich Orangen und Zitronen und Feigen und Oliven
und wenn nicht, dann geb ich Dir das, was ich hab
wenn Du meine Gründe betrittst
so lange ich übrig bin
setz Dich
entspann Dich
ein Boden kann ein Tisch sein
ein Boden kann der größte und weiteste und tiefste Tisch sein
an welchem alle Platz finden können
auch die anderen
und wenn wir selbst nicht rauchen
dann rauchst Du bitte, wenn Du so bist
wir besorgen Dir die Zigaretten
wir gehen für Dich dorthin, wo sie zu finden sind
wir belehren Dich nicht
und wir essen
und trinken
in der ganzen Welt
und machen uns nichts vor
und was sie uns genommen haben
holen wir Dir zurück
und sei es ein letzter Gedanke
und wir hören Deine Geschichten
und erzählen unsere, wenn Du magst
auf dass der Wind alle Sprachen für uns übertragen kann
und wenn wir nicht so sind
entgegen aller Urteile
dann haben wir versagt
genau wie Du
in einer anderen Welt



Donnerstag, 15. September 2016

Wetterrasse

Freiheit, Süße
bist noch nicht geborn
warst vielleicht mal kurz ein Trend in buntem Hemd
was wir uns zusammenreimen
wie sie munkeln
immer und immer wieder
von Bürgerkrieg schon wieder
wie wir nicht gelassen sind
wie wir reden
was wir sagen
wovon wir sprechen
wie wir mit dem Hammer zeigen
jedes noch so dünne Span
Blutfettwerte
zuckerkrank
energiegeladen
wie wir Feuer machen
hetzen, hassen, richtig sein
gleiches Recht für alle
Bürger Rinnenkrieg
Bürgeres
bürgeresk
die Sprache verkommt, wie sie sagen
wirklich ?
sie passt sich an, oder ?
und verbrennt, schmurgelt, lodert
sengt, zerfrisst
kann ich nicht hören
es hat sich ausgeduldet
Kaffeedurst bis Lippenkäse
Geifer zu Klärschlamm
die totale Lösung
spucken, rotzen, Benzin für Gas ins Feuer pumpen
schemische Reaktion
das kann uns niemand übel nehmen
drei Schinesen mit dem Kontra; Bass
Ich bring dich um, du Sau
Ich will dich nicht mehr sehn
Du dreckiges Schwein
Aufräumen und Saubermachen
Fegefeuer
nicht reinigend
säubernd
Ich werd dir zeigen was die Lehre ist
Du wirst jetzt lernen, was ich will
da hab ich keine Angst vor
Es ist nicht die Angst, die die Wut zum kochen bringt
es ist meins; und nicht deins
Und Schlagstock, Pistole und Gewehr
da lach ich doch drüber, viel zu umständlich
Ich hätt so gern nen Flammenwerfer
das wär ein Heidenspaß
überleg dir das mal, was man damit alles anfangen könnte
mit deiner blöden Fratze
pass auf, bald hab ich dich am Kragen
Frollein, Freundchen, asoziales Blag
Wehe, wenn ich dich noch einmal seh


Freiheit, Süße
bist noch nicht geborn




Montag, 12. September 2016

Wohlsein und Würde

wär nich schön
wenn n Hippie ne teuer Karre fahren würde
n Banker in ner frischen Flickenbuxxe auftreten
Theater und Schauspiel zum Beispiel auf m Wochenmarkt
ne Rockerin und n Rocker Ärztin und Arzt
Deine Mutter die wahre Bundestagspräsidentin
wenn se so will
und ein Vater schält so filigran die Kartoffeln
und räumt auch alles wieder auf; putzt als Strahlemann
wenn er so wollte
die feinsten Bratkartoffeln und Fritten machen könnt
Und Dein Geschwister schreibt ne Karte aus Battipaglia
während Oppa und Omma auf e Veranda sitzen; und fragen
Na, wie war ett denn heute
willst e noch watt essen; datt geht schnell warm
und wir fragen zurück und antworten nicht zuerst

wir machen auch mal was; unternehmen nicht erst dann
Und ne Tiefkühlpizza allein
nich nur Pappe mit Gewürz und Fitzel

ein Fisch nicht zu Angst auf Prozentanteil reduziert
ne Mutter noch Zeit für n Ponyhof übrig hätt
und Füttern nirgends mehr verboten wär
jede Bude aus massivem Material
Milch in alle Länder käm
und Äpfelchen aber auch
Wasser nicht als Luxus gilt
und alle Kinders segeln könnten; und von Segeln wüssten
ne Erzieherin noch was mit Zauberei machen dürfte
und Begriff als Vor-Urteil abgelöst und aufgelöst
Ein Fahrrad von der Post n E-Bike; zumindest, mindestens
Fernsehen aus jedem kleinsten Winkel heraus; nicht nur Programm
elektrische Zahnbürsten für immer halten würden
nur noch so die Köpfe ausgewechselt werden
Fahrrad lernen wieder Wunder wär; so gefühlt; von kleinauf an
Fahrstuhl fahren nicht Pudding in den Beinen; gut für den Bauch
und ne Frau mit zwei Kindern nich nur zwei Würstchen kaufen kann
sich das leisten können; und darüber hinaus für mehr Kinderessen
und ein Vater an der Ampel nicht von Kind an wegsieht
ein Kind sich nicht mehr schämen muss

nicht mal ansatzweise mehr verwundet wird
Luxus nicht von Menschen gemacht sein
die Liebe jede Religion verspotten könnt; gleichfalls
Silvester nicht nur als Dubai als Highlight knallen
lecker Muscheln nicht nur für paar Monate
die Gerüchteküche nicht mehr klappen würde
Sprache nicht so wichtig wär wie Krieg
n Kopf nich an ne Dunstabzugshaube dellern
Gespenster raus, Gespinste her
sie tragen keine Rechte
wir haben unseren Beitrag geleistet; verdient
wir sind von Anfang an da durch gegangen; oftmals heimlich sogar
Baustellen endlich für alle Beteiligten guten Krach machen
Süchte nur noch schön und Wertschätzung
Rauch nicht mehr in über siebzig schlechten Stoffen besteht
Obst nicht sündhaft teuer ist; für und gegen jede Teilhabe
Pflücken ein Spaziergang ist
Freispiel keine Lehre
und Platzwunden nur noch mit gickern und ohne leiden
Verdingkinder müssen nicht mehr weitermachen
Schlüsselkinder sind schon groß und wollen das so haben
selbst und selber
Prügelkinder kennen wir nicht mehr
kleine Biester und süße Monster sind ausverkauft
die Raben sind ein schöner Herbst
und Stille niemals Ignoranz
Stachelbeeren wieder nebenan aufwachsen; mit Rhabarberstrünken
ett is nich ekelich; es ist nicht voller Dreck
und Spucke wieder für Brennesseln ausreicht; kühlt und lindert
all solches farbig, froh und fruchtig
und Saures wirklich nur noch süß und lustig macht
die Tage nicht mehr blenden
die Nächte ohne Teufelsgeiger reichen
niemand mehr blendend aussehen muss
Licht und Sonne für immer friedlich sind
Befehle schlichtweg als Imperative verbleiben
und warum nicht Flieder züchten
wenn es dann für immer leuchtet und duftet
Geschwister nicht verbiegen und verrenken
Spargelstechen nicht für arm und Rücken ist
mindestens vier Jahreszeiten an der Moldau sind
die Seen und Flüsse betten wir uns selber ein
wir schlafen doch nicht gern auf Müll
Wiesen, Wipfel und Kronen schneiden wir aus Postkarten heraus
vollidiotisch wird uns lieb behutsam
wir investieren uns nicht mehr kaputt
und rote Ampeln nicht stressen; sondern gut und Gut
für küssen und knutschen werden
Kirmes nicht zu Attraktion vergammelt
und jede, jedes und jeder ein feines Bäumchen
für die ganze Stadt gepflanzt
wär schön
oder etwa nicht




Montag, 5. September 2016


Fliederwand

rausdürfen, endlich
Augenkneifen, der Sonne wegen
knippern, die Kruste muss ab
wohin, wohin zuerst
sind noch alle da
an der Bank, die Spucke und die Malzeichen
auf der Rutsche, die Mutigen mit Rad oder Kopfstand
auf der Reifenschaukel, so einfach singen und fliegen
die ganze Combo, so losgelöst
und wie der Reifen sich dreht
und wie da angschubst wird, von den anderen
behutsam, wenn gesungen wird
nicht gegen den Balken gedonnert, als Mutprobe
Auf dem Donnerbalken
saßen die Gestalten
und sie schrien nach Klopapier, Klopapier
Aber alles schon besetzt
und sie gucken weg
weil sie nicht verstehen, sich aber vorstellen können
und sie gucken weg, in gut gemeint
alleingelassen, aber nicht schämen müssen
trotzdem schämen, wie auch immer
aber nicht reden müssen, oder sprechen
Ganz ruhig
da vorne, bei Schneiders
an all dem anderen vorbei, mittendurch, nur wenige Schritte
wenn sie ausgelassen beschäftigt sind, eher unauffällig
Die Schneiders im Kittel, und Schürze extra oben drüber
und sie schimpft, und sie schreit, und sie schwingt den Besen
wenn wir Osels, die Kinders, zu nah an ihrem Grundstück stehn
Ich kann nicht anders, wenn rausdürfen, endlich, angelangt ist
Dann muss ich dahin
vor die Fliederwand
Ihr Eckstück, die lange Seite am ganz geraden Bordstein dahin
gegenüber der Straße, hinter den zwei Bürgersteigen, so nah angrenzend
Ein Mann oder Opa oder Oppa oder Großvater ist nicht mehr da
Sie schreit immer nur allein
dabei ist der Flieder so schön, so wehend nebeneinander
so wiegend und so vorsichtig, so ganz ein bisschen
wie flüstern und schmunzeln
und leise alles sagen können, ganz deutlich, sogar so laut sehen
ganz angenehm, in so gemütlich leise, all das einfach endlich hören können
was gut ist und was weh tut, und wie es heilemachen kann
und wie es nicht schlimm ist
wenn der Flieder schunkelt und funkelt und leuchtet und glitzert
wie Blüten sogar spiegeln können und gar nichts blendet
und sogar nichts mehr vom Gucken in den Augen wehtun kann
wenn man gar nicht mehr weggucken muss
wenn man endlich erledigt, wieder nur für schön zuhören darf
und sehen, wie die Fliederwand sich anfühlen kann
wenn die Schneiders wieder schreit und verjagt
wenn sie das so will
aber das dann gar nicht mehr geht, es nicht mehr greifen kann
sie ist nicht mehr zu hören, sie ist nicht mehr zu sehen
wenn der Flieder wiegt
und wenn der Bordstein gegenüber
die schöne Grenze neben der Straße ist
gegen diese niemand mehr sein kann
Und dann sitzen, die Borde fühlt sich gar nicht hart an
sie tut nicht weh, egal, wie lange dann ein Stunde ist
oder die Zeit bis Abendbrot
und der Ruf laut wird
und wieder aufstehen müssen
wenn die Beine so gemütlich müde geworden sind
und die Hände gute Stütze warn
und die Ellenbogen mal endlich Pudding in gut
das Biegen keinen Schmerz verursachen kann
Biegen eine Spannung ist, wie auf Trapez
für schön und gut und anmutig, für vorwärts
und die Handflächen, die so wohlig weichen Bäckchen in der Hand
von innen ganz warm, und kleinste Steinchen der Schrittplatten
gar nicht pieken oder zwirbeln, wenn sie wie feine Erde sind
gute Klumpen, kleine Klümpchen
und Ausruhen
Und in den Schuhen alles mögliche vor sich herschieben können
auch die kleinsten Dinge
und nach links und nach rechts und wieder zurück und hin und her
ein Stein zum Steinchen oder Kiesel klickert
sich das einfach gut anhört, auch das kleinste zu hören ist
auch in der Rinne, sogar mit Hacke, Kicken sein kann, wie sonst nur mit Ball
so klein in so groß, auf kleinstem Platz, und nichts geht mehr daneben
und vielleicht gurgelt dann
sogar der Gully nicht mehr
und auf den Boden gucken ist gar nicht mehr nötig
die Erde wird gefühlt
was daraus geworden ist, aus all den anderen Resten
die kleinsten Teilchen dort
auch in schwarz und dunkel nichts Schlimmes mehr bedeuten müssen
auch keinen Dreck
In Ruhe aufsehen und hingucken, nach vorne hin voraus
an die Fliederwand
auf der anderen Seite, da gegenüber
und Jägerzaun ist keine Grenze, und Maschendraht auch nicht mehr
und mauern übersehen
wenn nur noch eher dünne Äste feine Strünke sind
welche diese feinen Farben tragen
was ganz anders ist als kornblumenblau
direkt vor der Haustür, nicht erst so weit weg in den Feldern
dieses eigene leuchten
und schnuppern und zischeln wie flüstern in ganz schön
und wie es duftet und nichts nach Seife schmeckt

wie es so herüberweht, natürlich, ganz einfach so, erblüht
die Ruhe endlich einkehrt
und die Kraft erwacht und sich ganz leicht wiederfinden lässt
kein Glaube und kein Wunsch mehr nötig sind
wenn es wirklich wahr ist
wie sich das da anfühlt
und Ansehen erlaubt
Und wenn die Arme dann wieder im Schoß landen
und die Beine wieder beieinander stehn
nichts mehr hin und her geschoben werden braucht
dann lässt die Schneiders auch den Besen sinken
und sieht genauso aus wie vorher
aber das Schreien ist weg und das Verjagen auch
Sie ging dann rein
und da klapperte auch kein Geschirr mehr aus der Küche raus
So eines Tages, scheinbar ganz von selbst, keine Ahnung
da muss ich wohl noch drüber nachdenken, nichts übersehen
vielleicht bisher zu viel nur einseitig betrachtet oder gefühlt
Der Flieder schob sich zusammen, die einzelnen Blütenkörbchen
wie die liebe Zudecke in der Nacht
Strünke zu Stärke, Ast ist stärker als Holz, Kraft wie ein Fort
es geht nicht nur um Burg und Stein und Stahl, so unbeweglich
und dann so innerlich sagte: lass es gehn, lass es einfach gehn
wann immer Du magst, wo immer Du stehst
Du brauchst Dich nur zu erinnern, Du kannst es für immer haben
es behalten, geschenkt, kostet nichts, nichts in schlecht
und so lang die Schneiders schimpft und schreit
bin ich immer für Dich da
Und wenn sie nicht mehr schimpft und schreit
und sie mich womöglich umhauen
dann kannst Du Dich an mich erinnern, ganz eigen
und endlich ankommen, ganz von selbst
egal zu welcher Zeit, für immer.



Mittwoch, 27. Juli 2016


Bedeutungslos

Er hat's dir ins Gesicht gesagt
du hast als Kind schon so viel geschrien
da warst du noch ein Baby
---
Da stand er vor dir, mit Sonnenbrille
so in der Hand am ausgeklappten Bügel
gezwirbelt, das ganze Ding, fast schon geschaukelt
so ganz vorne, zwischen oben Zeigefinger
und unten Daumendick
zwischen zwei Kuppen, dieser Designerbügel
und derweil dort oben zugleich
seine Lippen schoben sich nach vorn
seine Zähne vorn von oben und unten ebenfalls zugleich
trieben seine Lippen wohl voran
Warum hat er nicht gleich gefletscht
was war das für ne Stimmung
auch noch im Hausflur
vor meiner Wohnungstür
und ich zwischen den Zargen
und er aber im Hall
und vor den anderen des Hauses, möglicherweise
nicht zu sehn, aber vielleicht zu hörn
deshalb oder deswegen, das ganze
wie sagt man das, was sagt man da
was sagt man dazu
wie der da so stand
selbst Flüstern war ihm wohl zu unsicher
da hätt ja jemand mit den Schlüsseln klinkern können
das hätt seine Vorstellung voll versaut
wie er sagen musste, was ich als Baby war
Da musst ich lachen
nicht laut, nicht schallend, eher geschmunzelt
ich musste mir nicht mehr die Rippen verbiegen lassen
schon gar nicht mehr brechen
das hatte ich nicht mehr nötig
das hat mich gar nicht beeindruckt
das war lächerlich
absolut lächerliche Pose
Was fiel ihm eigentlich ein
bei mir anzuschellen
so nah ranzukommen
aber doch den Sprung nach hinten hin weg zu bewahren
mit einem Brillenbügel Abstand zu bedeuten
darauf zu bestehen
seine Bestimmung meiner Freiheit überordnen zu wollen
so zu bestimmen, vielleicht sogar vorausgeplant
auch gar nicht vorläufig reinkommen zu wollen
nur Theater, nach seinen Regeln
Und seine Wangenknochen, dieses unlautere Knirschen
dazu und dahinten
nicht hörbar, aber sichtbar, dieses Kiefermauern
der Nussknacker ist ein Spielzeug dagegen
und Pompeji hat die Sonne schön
und Epidaurus klingt so gut
besonders dort unten in der Mitte
---
Wie es ihm so wichtig war, so unumgänglich
vielleicht zwingend nötig
abzulassen
dass ich als Kind schon so viel geschrien hab
und auch nur diese eine Ansage
als Anzeige, womöglich
als hätt ich froh sein müssen, nicht im Knast gelandet zu sein
so scheint er sich das zu denken
Dass ich mittlerweile Freigänger bin
das kann er sich nicht vorstellen
da muss ich noch ein Baby gewesen sein
---
Und fast, hätt er diese Situation übersäuert
das Zwirbeln hatte er vielleicht nicht oder lang nicht, geübt
fast hätt er nen Ausfallschritt anlegen müssen
was ist das da für ein Ding mit dem Zumuten
Diesen Zeigefinger und sein Daumendick in Bewegung
ließ sich nicht lang unter Kontrolle halten
So ist das dann wohl, wenn man von Feinmechanik nichts versteht
aber so auftreten will, wie ein Künstler
---
Ich hatte die Klinke schon wieder in der Hand
da lautete es noch nach
Die Entscheidung liegt bei dir
und seine Brille hat er in beiden Händen auffangen können
das war noch deutlich abzusehen
dann war mir alles weitere wieder egal
es war leer
es konnte mich weiterhin nicht beeindrucken
und die Tür war wieder zu
und ich hab auch nicht gelauscht
und es hat auch nicht noch mal geschellt
kein Klingeln mehr danach
---
Und genau so
hatt ich's innerlich schon mal so erlebt
innendrin, auch in der Wohnung schon
so von selbst
als sie vor mir stand
ihre Brillenbügel ineinanderverschränkte
ihre Brille leise auf dem Sekretär ablegte
fast schon unmerklich
aber nicht, wie sonst, ins Etui einschob
und wie ohne Zahn und Lippe, ganz ohne Mund
sie deutlich zu mir sagte
Du hast versagt
Wir brauchen Dich nicht
Die Entscheidung lag bei Dir
---
Das hätt ich wohl schon wissen müssen
als ich ein Baby war
und als Kind schon so viel geschrien
Es hätt mich wohl beeindrucken müssen
bevor der erste Freigang angestanden hatte
---
Und das andere Kind
wird sich wohl von nun an
nicht mehr beeindrucken lassen können
Es ist nicht Entscheidung eines Kindes oder gar mehrer Kinder
egal, wie viel oder wenig, als Baby geschrien
Es ist die Entscheidung einer Zeit
in welcher wir nichts zu sagen haben
Und damit müssen wir leben
wenn es jemandem danach ist
Es reicht nur eine oder einer oder eines
und die Tür fällt wieder zu
Es ist kein Zufall
Nicht mal mehr ein Klopfen wirst du hören
oder spüren
geschweige denn ein Weinen
wenn Du nicht von Anfang an
Sorge dafür tragen kannst
dass Dir eine Entscheidung weder vorgeworfen
noch abgenommen werden kann
---
Alles was gut war
verfällt an einer Sekunde oder von heute auf morgen
wenn Du sie fett machst
vollgefuttert
und sie entscheiden lässt
wenn Du sie versichert hast
und sie beeindruckt sind
dieses als Glück und Zufriedenheit betrachten
---
Das Wasser reichen
auf Augenhöhe sein
unterliegt der Feinmechanik
---
Es ist die Lehre
von Trauer, Ende und Abgrund
fremdbestimmt
wenn Freiheit zu Entscheidung versiegen muss
Das kannst Du so erleben
Dann ist es endgültig vorbei
Dann bleibst Du auf der Strecke
Dann haben sie es endlich geschafft
---
Hoffentlich
lebst Du nicht bedeutungslos




Donnerstag, 16. Juni 2016


Schlüsselkind
...
Essen im Kühler
dritte Box von unten
und iß auch mal den Rosenkohl
ist nur eine kleine Portion
und extra Deine Lieblingssauce drüber
gut umrühren und vermischen
vorsichtig aufwärmen auf Stufe zwei
und zugucken, nicht abhauen
die große Kelle liegt noch in der Spüle
und setz Dich an den Tisch, wirklich
sonst machst Du mal die Flecken aus der Wäsche raus
und Hausaufgaben vor Spielen, bitte
und trink auch mal Sprudel, mindestens zwei Glas
bin um sieben wieder da
hab Dich lieb
---
Die Wohnungstür wird nicht geknallt
sie scheppert nicht ins Schloss
Die Schritte sind viel lauter
sie fallen auf
Die Jacke knistert
egal welcher Stoff
aufhängen ist kein Unterschied
Die Schuhe lass ich an
sonst ist es kalt
Wenn Du nicht da bist sind die Fenster zu
und die Heizung ist runter
und trotzdem ist es drückend
Aber die Hände muss ich nicht vorher waschen
das kannst Du ja nicht sehen
In der Küche riecht es nach dem Spülmittel
da mag ich nicht mehr Wasser trinken
Der Geruch macht sich nicht von selbst
es aufgewärmt ist anders
Ich konnte nicht schlafen
als es spät nochschon kochte
und die Bettwäsche war stärker
so konnte ich schlummern
und morgens warst Du weg
und ich musste in die Schule
---
wenn Du wieder da bist
hab ich Dich lieb




Sonntag, 3. April 2016

Wunschbild
Egoteil
auf der anderen Seite
eingelistet


Ich möcht vermissen
von vornherein


Deinen Geruch
welcher meine Möbel verschob


Dein Gepluster an Haaren
wofür ich keine Brille verbrauchen konnte


Deinen Handlauf

welcher mich wachen ließ


Deine Stimme
die klangvoller ist als alles andere meiner Worte


Deine Klamotten
als die Jahreszeiten sich verstanden fühlten


Deine Uhr
nach welcher all die Platten gierten


Deinen Rücksitz
der auch für Hunde bereitstand


Deine Aprikosen
weil diese mir Tradition zubereiten


Deine Haltung
gleich morgens schon verbunden in eigenwarm


Deinen Blickfang
für Nachhause gelangen


Deine Ringe
so grenzenlos am kleinen Ritter


Deine Sprache
in alle Länder reingefunkt


Deine Stille
in allen Ländern Zuversicht


Deine Schritte
auf allen Wegen Pech zertreten


Deine Fensterbilder
somit die Kleinen Knöpfchen erste Schritte anführten


Dein Marzipan
obgleich ich's noch immer nicht schmecken kann


Deine Stimme
wegen Unterschied zwischen Geige und Violine


Deinen Haustürschlag
zum Wachrütteln gegen Verpennen


Deine Zeichnungen
ganz und gar klitzeklein in jeder Ecke leuchten


Deine Lache
weil keine Anlage so zierlich klingen kann


Deine Gunst und Güte


all dieses im Auszug lediglich
an wenigen Beispielen


weil Du nichts davon hast
weil ich nicht Du sein kann
weil wir nicht eins sein können
weil Du Deine eigene Größe erlebst


und ich also nicht mithalten kann
und deshalb vermissen


von vornherein
als Wunschbild