Samstag, 25. März 2017

Frühling

Ich hätt so gern hinter Deinem Rücken gelegen
in freudiger Erwartung
über den Rand hinausgeschaut
in Bogen und Linie verstanden


versunken am Schulterblatt
als Schild und Schwert
die Taille zum Festhalten
ein Geländer endlich nutzlos


Griff in freiem Fall
Klammern aufgegeben
Zwinge erledigt
Krampf zu Pluster


keine Angst mehr
was soll Entzücken sein
keine Rede mehr wert
Flüstern die Musik


laut und deutlich
leise abhanden
Aufatmen die frische Luft
Von Nordpol bis Südpol


und Kitsch als Gut
der Kern der Sache
die Dinge betrachten
ein Apfelbäumchen


nicht erst pflanzen müssen
pflanzen
fläzen
Pfanne oder Fahne oder Flagge


was Dir lieber ist
wie es Dir gefällt
aufgehen ganz anders
Du feines Plunderteilchen


Schnuppern an der Zubereitung
verteilen und zugucken
für das Plunderteilchen schämen
rote Wangen sind nicht rote Backen


und das Eis wird nicht geleckt
Eis wird geküsst
und Lutscher zu Lolli
Läutern befreit von Narziss


wie gesagt
hinter Deinem Rücken
die Vorfreude
zu dem was vor Dir liegt


aber
scheiß Aber


Du liegst dort nicht
Du ziehst durch die Lande
und mordest die Schwäche
die Dich nicht erkannt haben


von Anfang an
zuckersüß
ist nicht Dein Kitsch
was glauben sie denn


wer sie sind
von oben herab
denen werd ich geben
was bilden sie sich ein


und versteckst Dich bunt
und lässt sie die Begründung sein
und mittlerweile
hast Du Dich daran gewöhnt


Dein Frühling ist der Stand
infrage nicht gestellt
zurückgeblieben
unversehrt verwundet


Der Sommer wird Dich brüten
Der Herbst bringt Dich nach Haus
erfroren im Winter
das tut Dir gut


wer das nicht versteht
ist nicht nur doof
sondern reif
lach ruhig über die Insel


denn kalte Steine brechen nicht unbedingt
wie man vielleicht meint
warme Steine aber schon
wenn sie Fieber haben


und die kalte Nase ist gesund
besonders feucht
wie bei den Straßenkötern
die noch wedeln mit dem Stumpf


Herzliche Glückwünsche
wir geben uns einen aus
lachen uns kaputt
und brechen in der Mitte durch


wenn sie wünschen
hintereinander zu liegen
was nicht Gang und Gebe ist
wenn ich hinten träum


und verpenne
was Du voraus gesehen hast
was den Knospen blüht
wenn Du Deine Augen wieder schließt





Montag, 20. März 2017

ganze Welt

und sie wollten etwas and'res sein
und zerstörten die ganze Welt


sie bekleideten sich
beklagten sich nicht


was das ganze Zeug hergab
wie sie stolperten, stolzierten, aufeinander zu


voreinander her
sie trauten sich bunt, auch ungelenk


sie vertrauten auf Angst
und schworen der Feigheit ab


und wie sie lachten und flüsterten
auf die leichte Schulter stürzten


ihre Hände vor Augen
und an die ersten Schreie dachten


es sei das Glück, es sei zu Haus, endlich angekommen

jede und jeder für sich
noch gern allein

in Sehnsucht kochten
und gebaren

und Hoffnung trugen, füreinander
chic bedacht, in gut gemeint, und nicht in schlecht

und belegten und bewiesen
es sollte friedlich, fröhlich, fruchtig sein

was man da so denken kann
Trugschluss unter Reißverschluss, getarnt

geknöpft, bestickt, betupft
die Nähe festgefahren, eingetreten

als der erste Haken auftauchte
ein Krüppel in Farbe, an Form und Kontur

ein Ungewiss, fernab einer Angst
so mutig wild voraus, ein erster Zweifel

in Antwort vor der Frage
als es vorne nicht glattlief

was hinten nicht zu glauben war
an Weitsicht getüncht

unbedingt in glasklarem Verstand
vorgegaukelt, weil es doch ein Zauber war

und Mut im Hauch ein absoluter Rausch
die Sinne strapazierte

Verzieren viel zu langsam glich
der Haken endlich wuchs, als Anker viel zu schwach

wie eine Krampe in die Flitsche prallgezurrt
ein Daumen und ein Finger nicht länger herhalten können

das, was ein Handrücken auf lange Sicht nicht auszuhalten vermag

wenn das Böse sich vor Lachen krümmt
wie es in Gestalt anzunehmen vermag


was niemand sonst auf Erbe oder Altlast zurückführen mochte
die Verblendung guten Geistes, töricht ab von Sinnen


das Gift in diesen Blickwinkeln
den Anker auf den Haken herunterhungert


blitzgescheit, an Vorteil seiner selbst
weil ignoriert und abgelenkt, als meilenweit Voraus


dorthin, so leicht zu glauben
wie die Wahrheit auf Glaubwürdigkeit beruht


weiterhin, in Schutt und Asche legt
was Mitleid ist, was Denken ist


von Stand der eig'nen Dinge an
nach jeglichem Gefühl


und sie wollten etwas and'res sein
und zerstörten die ganze Welt



Donnerstag, 2. März 2017


Ich will die Liebe wiederhaben wie sie früher war

auf'm Bordstein, nach der Bude, nach eine Mark und achtzig, von dem und dem und dem, und Lakritz und schwatten Zähnen und schwatter Zunge und Lachen, Schmunzeln und Spucke, und den Kirschen, welche nicht so einfach zerbissen werden können, wie sie sich an den Gaumen schmiegen, und Saures Spass für die Backen war, und süß und rot so wirklich jede Wange nicht verdrängt werden konnte

Ich will die Liebe wiederhaben, wie sie in die Felder rannte, mal piekend, mal plusternd, ob windig oder hauchfein, fallend oder stolpernd oder fliegend, zwischen gemütlich bewegenden Wänden von Halmen so höher hinaus als zwei Köpfchen über zwei Schultern auf der Erde, schnuppernde Nasen, Mohn in kornblumenblau, ne Grille hüpft von Handrücken zu Handrücken, oder es hätt' so einfach sein können, und kein Käfer wurd' zerquetscht, obgleich die Rücken so lang' den Schäfchen am Himmel hinterherschlummerten

wieder Stachelbeeren finden dürfen, Weidekätzchen schon an einer Fingerkuppe allein erfühlen können, und die Hände voller Brombeerlila

und am Bach die Schuhe aus, und die Hosen oder die Hose hochgekrempelt, und die Stirn so frisch gekühlt, Deine und meine, vielleicht ja sogar gleichzeitig, füreinander, miteinander

und nur drei Gänge am Rad, aber schneller und tiefer in jeder Kurve als jede Achtziger von den Großen

und wenn wir Feuer machen, wo's nicht ausgezeichnet ist, dann sollen sie uns doch einsperren, kein einziger Tag könnt' uns getrennt verloren sein

auch wieder sechzehn sein

und abhauen und Huckepack und Räuberleiter

auch auf Garagendächer rauf, zum Picknick, mitten in der Nacht

und nicht erwachsen sein und Freundinnen und Freunde als Gäste bezeichnen

nicht überlegen, welche Gläser es sein müssen, wie und wo sie den Tisch einnehmen, dass sie nur noch gut und Gut für's Trinken sind

niemals zusammenleben, weil die Mietpreise so hoch sind und die Kaufpreise in Verhältnis noch darüber

rote Ampeln nicht mehr Ungeduld oder Wut auslösen, sondern Zeit für Knutschen und Küssen und Hände halten bedeuten, und Rübergucken, Ansehen, und staunen und bewundern, und mindestens vier rote Ampeln sich je Tag ergeben, also mindestens acht für Dich und mich, und nochmal acht dazu für uns

es könnte eine lange Liste sein, für schön und Schön und mehr und mehr davon und immer wieder

ist es aber nicht

Donnerstag, 23. Februar 2017


Guten Tag; haben Sie gerade ein wenig Zeit für mich ?

Wer sind Sie denn ?

Ich bin Deine Seele.

Öhm ... Wie ?

Ich musste aus Dir raus; war'n bissken eng geworden.

Von Siezen auf Duzen ging aber schnell ...

Nun, Du hast nicht mehr viel Zeit, Du würdest Dich selbst zerquetschen.

Was hab' ich denn angestellt ?

Tja, Du hast Dich verleiten lassen.

Und wohin und wozu und von wem ?

Na von Deinem Selbst, und zu einem Strichmännchen, und Du wirst bald vom Wind so einfach weggepfiffen; der hat's nicht mehr schwer mit Dir.

Und was soll ich jetzt machen ?

Falsche Frage, keine Antwort.

Was willst Du dann von mir ? Dann pflanz' Dich doch woanders ein.

Nee, Du, das ist nicht möglich, ich bin unbedingt mit Dir verbunden, ob innen oder außen.

Also gut; wohin geht die Reise jetzt ?

Zieh' Dich leicht und locker an, es geht jetzt ab nach Fliedersaat.

Wie, bitte ? Fliedersaat ?

Ja, Fliedersaat. Da kannst Du noch ein wenig wachsen und noch ein wenig Gutes tun, bevor der Wind Dich so einfach wegpfeifen wird.

Bleibt mir nichts anderes mehr übrig ?

Nichts anderes mehr, Du hast Dich ja vorher schon längst verleiten lassen; sei froh, dass es noch Fliedersaat sein darf und nicht, zum Beispiel, das Abgrundtief.

Ich versteh' nix mehr.

Stimmt, deshalb musste ich ja auch aus Dir raus.

Und nun ?

Mach' Dich klein, guck' hin, und stell' Dir prächtig Flieder vor, zu jeder Zeit im Voraus.

Wovon hab' ich mich denn verleiten lassen ?

Von der Sonne, den Urlauben und den Hängematten. Unter anderen.

Bleibt mir wirklich nichts anderes mehr übrig ?

Nein.

Gut, dann ende ich eben als Fliedersaat. Immer noch besser als Asche.

Ganz genau. Schön, dass Du so direkt verständig bist; das wird auch mir noch ein wenig an Zeit erhalten. Also: Du holst Dir jetzt, gebündelt in jeglichen Bruchteilen von Gefühlen, alle Zeiten Deiner eigenen Naivität in Deine eigene Verinnerlichung zurück.

Ja, Sekunde.

Fertig ?

Fertig.

Dann los. Da rüber, über die Straße, in den Vorgarten der alten Schneiders, und ab in die Erde unter'm Küchenfenster.

Wwwwwwupppsss ...

Herrlich. Mit Dir arbeite ich gerne zusammen.

Und nun ?

Abwarten. Jahre zu Sekunden zeitraffen. Und aufblühen. Und so bleiben. Unbedingt.

Bitteschön.

Dankeschön. Die Schneiders wird Dich nicht genügend gießen, und der Regen wird in den kommenden Jahren immer weniger erscheinen. Da musst Du durch. Reserve bilden. Das wird Deine Wüste sein, aber auch Dein Ablass. Alles klar ?

Alles klar. Und wie vertreib' ich mir selbst die Zeit ?

Gar nicht. Das ist Deine Strafe für Dein Verleiten. Aber eben auch Dein Erlösen vor dem Abgrundtief.

Hm. Ich werd's ertragen, wenn ich schon nicht überleben kann.

Das ist die richtige Einstellung !

Aber: Warum denn unbedingt die Schneiders ?

Weil die Schneiders morgen sterben wird. Ihre Zeit ist um. Sie will nicht mehr. Sie ist es satt. Und was sie zuletzt noch sehen will, ist Flieder. Du musst Dich gemütlich im Wind bewegen, so behutsam hin und her; und Du musst ihr blütenleicht was zum Schnuppern bieten. Es darf sich aber nicht wie Bieten anfühlen. Also gib ihr von Sonne, Urlaub und Hängematte ab; in feinem Anflug, warmem Licht und kühlender Brise.

Aber warum denn dann von der Erde vor ihrem Küchenfenster hoch ?

Weil die Schneiders zuletzt aus ihrem Küchenfenster herausblicken wird; sie wird das Fenster öffnen, fast schon aus den Angeln schlagen; sie wird die Scheibe und den Rahmen zuletzt nicht mehr ertragen, sie will zuletzt das Fenster anders sein.

Und dann ?

Dann wird Dich der Wind hinwegpfeifen, absolut verblühen. Dann bist Du endlich erlöst.

Und die Schneiders ?

War zuletzt berauscht von Flieder. Wie zuletzt als Kind.

Na dann ... Auf Wiedersehen ...

Auf Wiedersehen.


Sonntag, 12. Februar 2017


es gehört mir nicht

was sollen denn die Nachbarn denken
es gehört sich nicht
das geziemt sich nicht
nicht in den Dreck werfen
träumst du schon wieder
keine kleinen Teile aufsammeln
was so alles durchscheuert
Hosentaschen leeren
ausgefranst, abgeknapst, die alte Leier
nicht antatschen, Finger waschen, nimm die Pfoten da weg
beim Metzger, beim Fleischer, die Blutwurst
die heiße Herdplatte, die tiefe Treppe, Keller unter Wasser
tonnenweise frisches Obst, Wurm und Laus bespritzt
Pfirsichhaut, Tagescreme, Mütze auf im Winter
hinter der Scheibe, Gitterbettchen, Laufstall
durch die Gardine durch, Milchglas, kaltweiß
Nachtlicht in der Steckdose, Ferngeräusch aus vollen Zügen
Fenster auf Kipp, atme tief ein, Rouladen am Sonntag, vielleicht
Nachts muss Dunkel sein, damit du ausgeschlafen bist
nachspielen, Sandkuchen, Sandburg, matsche
Grobian, Zicke, Schulwürger
Fingernägel schrubben
dabei sind's die Kuppen
und das Darunter
unter den Nägeln
hinter den Bretterbuden, verheddert
Stichlingsbach als Pfütze, Wasserkrahn die Leere
wie Hühner auf der Stange, zum Abendbrot nach Haus
Flitsche und Krampe, Käscher am Stil, Turnschuh mit Klett
Sandalen, Gummistiefel, aalglatt, wie sie sich winden
und Haarnetz, wo vorher unter Umständen Kutte war
genäht, gestichelt, gepiekt
Spießroutenlauf, Spießbratenbrötchen, degenhart
Apfel vorne rein, Eimer Zwiebeln drüber, pikant gewürzt
nachsitzen, abschreiben, aussitzen, Stillschweigen
was kaputt macht
gegen Blut gibt's Jod
Mandeln oder Schilddrüse, wenn du immer so müde bist
du musst dich nur mehr bewegen
aber doch nicht so
aber doch nicht jetzt
die Kruste muss ab
lass Luft daran
oder geh vor's Feuer
fall nicht rein
erst dann, wenn du das Weiße in den Augen sehen kannst
wenn du Weise in den Augen sehen kannst
sei wachsam, sei dabei, bleib steif
Weißglut, weißmachen, weismachen
Beitragsleistung, Leistung abrufen, Leistenbruch
Dachlatte, am Zaun, über'n Gartenzaun
mach dich gerade, zwischen zwei Punkten
die kurze Verbindung, gering an Widerstand
anbieten, mitspielen, abräumen
Kassensturz, Fegefeuer, Klassenkampf, Wetten abschließen
Spinat, Fisch, Schimmelpilz
Asbest, Formaldehyd, sind nur Nebenfächer
sich verrechnen, nicht damit rechnen
Bücherwurm, Leseratte, dummes Schwein
keine Panik, mach langsam, alles hat sein Gutes
schlaf mal ne Nacht drüber
alle Jahre wieder, jederzeit
von nichts gewusst, danach
vorher große Klappe, Babyklappe
halt die Klappe, sei leise, nicht so laut
definiere das mal
wiederholen, im ganzen Satz von vorn
in ganzem Satz von vorn herein
reden, sprechen, Monolog um die Ohren
klatschen, pfeffern, sprayen
Dialog auffrischen, Diaabend kuckn
guck dir mal die Scheiße an
in jeder Scheiße steckt ne Chance
sonst wär's keine Scheiße
motzen, moppern, koffern
umfallen, gegenrennen, niederbrennen, tösen
einmal um die ganze Welt
gedröhnt, betrieben, abgehetzt und absolut verpennt
verpuffen, Sandstrand im Getriebe
pack nicht so viele Klamotten ein
wo soll das denn hinführen
dann mach doch einfach ne Lehre
die meinen das nicht so
das musst du nicht für immer machen
nimm's nicht so eng
Augen zu und durch, ab durch die Mitte
kurz und kleinschlagen
watt für'n Parziwall ?
Tell war'n Finne, sagt man
du musst das mal einsehen
mal eben drüber gehen
wischen, Wupper, Schmuddelkram
und so weiter und so fort
mach mal halblang
hab ich keinen Vertrag mit
alles auf Anfang
am Anfang steht noch lange nicht das Wort
das ist doch nur mein Temperament
selbst schuld, kann ich doch nichts für
lückenhaft, Mückensaft, zuckersüß
gut gemeint, halbe Miete, Wasserlatte
Wertmarke, Butterbrot, Plastiktüte, Schlüsselkind
auf Wiedersehen, bis bald, ich seh dich wieder
sie sagen es
es gehört mir nicht


Montag, 30. Januar 2017


nachts, ne
komm ich in Ruhe an

Ich, aber nich mehr in ego
komm, wir legen den Teufelsgeiger ein

was soll denn dann noch einen Unterschied zwischen Geige und Violine ausmachen können ?

oder ich leg mal gar nichts ein, sondern Du
wie es Dir gefällt

oder gehen nochmal ne Runde raus
eine Runde um den Block

wenn wir Glück haben
schreit nichts, heult nichts, weint nichts

und wenn nicht und wenn doch
dann können wir's zumindest nicht mehr umgehen

bestimmt nichts fremd
einige Stunden tagelang, vielleicht

wie Urlaub, fast schon
Huckepack und Räuberleiter, schon möglich

mitten auf der Straße, vor der Ampelanlage
unter gelb, grün und rot

Küssen und Knutschen oder heilig sein
holdselig

in Nachtlicht und Ferngeräusch
wandern, stolzieren, rennen

oder tapsen und plustern und schnuppern
und sind nicht bezwungen, blendend auszusehn

und dann wieder rein
zurück nach Haus zu Dir

Ist das feine Plätzchen da neben Ihnen denn noch frei ?
hauen wir noch etwas in die Pfanne ?

oder nippen oder schlucksen
Tasse, Gläs'chen oder Pott ?

selbst ne Tütensuppe ist dann heiß
oder ne Büchse Fisch in Tomatencreme ?

hauptsache rot
ob in der Küche oder vor den Fenstern oder nicht mehr öffentlich

hauptsache eigen
das hast Du ja fein aufgelöst, nicht hingekriegt

und Sachen kloppst Du kaputt, so lange schon
in leise und laut und ohne weitere Worte

in gut
und nicht in schlecht

und Jungens überspielen, wenn es ernst wird
und deshalb reden sie oftmals noch von Sachen

Ich geb mir aber Mühe, feige sein soll wegwerden
deshalb nachts, ne

komm ich in Ruhe an
und wenn es noch so lange andauern muss

war's wenigstens nachts und nicht blendend
und umso mehr Dein Rot

umso weniger als Ampelanlage
tags zuvor und tags voraus

Ich, aber nich mehr in ego
und dann wieder rein

endlich
zurück nach Haus zu Dir

wenn es nicht mehr nur eine halbe Nacht sein braucht
wenn Du ein Abenteuermädchen bist

und Überspielen ertragen könntest
bis es nicht mehr dunkel sein muss

anders krieg ich's wohl nicht hin
von allein

nachts, ne
wenn Du wieder gibst

und ich nur nehmen kann
was mir übrig bleibt

denn ich bin nur der Junge
aber Du bist das Mädchen

tags, ne
wenn Du wieder stärker bist

und fragst, vielleicht, innerlich, rhetorisch
warum kann er nicht mehr Mädchen sein



Mittwoch, 26. Oktober 2016

das ist frEmde und Fremde

red ma deutsch
ess auF du klon
geb ma ketschupp rübber

musste sich der Kumpel anhören
immer und iMmer wieder
von leuten


welche Wissen
was ein befehl Isst
nicht abEr ein imperatiumtiv

immer und immer wieder
von sechs biS zwölf
und von Sechs bis Zwölf

dann schließlich war er endlich soweit

und sagte zu einen kumpels
auf der eRsten klassenfahrt

ey - red ma deutsch
ess auf du klon
geb ma ketsChupp rübber

dann fanden sie ihn doof

er konnte Ja nicht deutschsprechen
und deutsch konnte er ja auch nich

auch nicht sein
auch nicht geWesen sein

geht Ja gar nich

da war er dann allein

so oFft
immer und immer wieder

und Summen kam dazu
wurrde möglik
war dann drin

ergab Sich von selbst
das war keiner Frage mehr
wundeRte sich stumm und Stil

und weil er so viel allein war
sprach er nicHt mehr so viel
und wen doch


dann sprach er nur mit sich selbst
zu sich selBst

so oft

denn die familie
sprAch bisher nur fremde
und Fremde bis hierhin

auch Sie

die FammIlie
war schon länger

vor ihm
endlich
soweit geMacht worden

und er war ja der Jüngste
aber eben nichT mehr der jüngste

der kleine kärl

schon kurze zeit später

konNte er
auch nicht mehr

reden
nicht mal mehr reden
nicht mal meHr mit sich selbst

zu sich seLbst
er war so weit

dass er sich selbst nicht mehr

verstehen
konnte
so stAnd er dann


oft allein an der straße
und laUschte
dorthin wollte er dann doch noch gehen


weil er sich an
der regeLn hielt
und hofFfte

und eines tages

noch viel später
fuhr ein junGe mit seinem Geländerat

durch die straße und Hochstarrt 
und weiter einer omma in den rÜcken
und ließ sie fallen

nahm ihre handtaschen

und fuhr mit dem rad
wieder Weg

eine nachtbar

hatte nUr
den zwölfjährigen gesehen

querbeet
kam zu spät
erschien zu speet

nach dem zwölfjährigen wOllte der nachbar
in der gebottenen geschWindigkeit
scheinbar gar nicht sehen

und wEil der fremde zu dieser Zeite 

an dieser Straße stund und strasste
und lauschte

nicht aber sprechen konnte
war er schuld
und Schuld

da schickten die leute ohne imperativ

die Fremde 
wieder nach hause

und die omma kam ins kranken haus


zuhause konnte der frÄmde
aber auch nicht mehr sprechen

weil er eben

so lange nicht
meer
zu haUse gewesen war

da hatte er garkein zuhause mehr

stellte Er fest
musste er feststellen

somit stellte er sich wieder an die straße
und lauscHte
lief von da an immer wieder


in die Strasse
und lauschte
und eineS tages


noch viel später
fuhr ein junge mIt seinem GeländeRat
durch die straße

und weiter mit Hochstarrt einer oma
in Den rücken
und ließ sie fallen

nahm ihre handtaschen

und fuHr mit dem Rad
wieder weg

eines nachtsbar hatte nur des fremden gEsehen
den deutschen bis da hin
und den deutschen dort

schlug den deUtschen Fremden sofort 

gerÄcht ins gesicht und trug die oma
in eins krankSenhaus

und weil der Deutsche fremden ja nicht

sprechen konnTe
kam der deutsche fremden

ins gefängnis
der Fremde sowieso
dA konnte der deutsche Fremde


nicht mal mehr
an der straße stEhen
und lauschen

das ist fremde
und Fremde

immer und immer Wieder

In diesem anderen Land