Samstag, 21. Oktober 2017

Umzug, Einzug, feministisch

watt steht'n da die Einfahrt voll
ich muss da rein
wo's der Fahrer hin
Fahrer, wo bist du


ja wie, Sie sind der Fahrer
fahren Sie datt Dingen
das' doch noch ne Kutsche, 'n Fuhrwerk
datt fällt doch gleich aus'nander


wo woll'n Se denn damit noch hin
watt machen Sie hier eigentlich
die Einfahrt is voll
und ich muss doch da rein


wann sind Se denn fertich
watt machen Sie hier überhaupt
ich hab Sie hier noch nie gesehn
Einzuch, oder watt


Sie gehen rauf in die Fünfte
da ham Bekloppte gewohnt
alles platt gemacht
datt muss da drinnen doch noch stinken


ja na klar is der Preis runter
kapier ich jetz ers, mit Ihnen
und dann wollen Sie datt alles bewerkstelligen
da muss doch alles neu


wo is denn Ihre Mannschaft
wie, haben Se nich
sprechen Se sich doch ma aus
jetz is eh nix mehr zu machen


lassen Se ma gucken
machen Se doch ma die Haube auf
nee, ich mach datt, datt sind Zwingen
da klemmen Se sich nur die Pfoten


ach so, ja, klar, sind Se so auch angekommen
wer hat Ihnen denn dann bei Abfahrt die
ja gucken Se doch nich so
da will man helfen, alles einfach machen


dann machen Se halt selber, ich sag nix mehr
da geht man doch nich von aus
mit so ne Hände
ich wollt nur helfen


Menschenskind, datt hab ich noch nich erlebt
datt können Se gut
so viel Kraft auf einmal
haben Se lange für trainiert, wa


ja gut, dann weiter im Text
das' ja nich so viel Material wie ich dachte
man sacht ja so, ne
datt Frauen immer mehr Plunder haben


haben Se gar nich so viel Plunder
is Ihnen watt abhanden gekommen
oder durften Se nich alles mitnehmen
is datt Ihre ganze Wäsche


wo is denn Ihr Mann
gebrochene Blüten
oder kommt der noch nach
is der noch auf Schicht


ach so, ja, nee, muss ich ja nich wissen
aber fragen kann man ja ma, ne
man will doch nur sicher wissen
wer als nächstes einzieht


haben Se Katze oder Hund
nach Goldfisch sieht mir datt hier nich aus
oder Meerschweinchen oder Schlangen
so dunk'le Frauen haben ja auch oft Spinnen


sind Sie da nich mit Friedhof und Dunkel beschäftigt
wie heißt datt heutzutage
aber so Schmuck am Gesicht tragen Se gar nich
Sie sehen doch ganz normal aus, ne


unsere Nichte, die versteckt datt immer alles
die geht ganz adrett zur Arbeit
aber abends flippt die dann völlich aus
die is immer gegen uns


aber datt beeindruckt mich überhaupt nich
das' nur Provokation von die
da rennt die bei mir gegen Wände mit
datt erledigt sich eh bald von selbs


wenn die nich wissen, watt datt Leben wirklich is, ne
da kommt die noch schon hin
muss se eben selber begreifen
können wir der auch nicht mehr helfen


naja, wie stellen Sie sich datt denn jetz hier weiter vor
watt haben Se sich denn gedacht
Sie müssen sich doch irgendwatt gedacht haben
so watt macht sich doch nich von alleine


ich seh hier niemanden, ich seh nur Sie
und datt kriegen Sie doch so nie im Leben hin
datt können Se sich doch abschminken
datt wollen Sie wohl über't Knie brechen, oder


wie alt sind Sie eigentlich
war doch nur ne Frage
ja, is klar, is nich interessant
jedenfalls muss die Einfahrt wieder frei


hier sind ja auch noch andere Leute
die müssen auch hier rein
da können Sie nich so einfach alles aufhalten
nur fragenden Menschen kann geholfen werden


ja gut, dann lass ich Sie jetz in Ruh
dann sehen Se selber zu, wie datt alles sein soll
wissen Se, da will man aushelfen
und dann wird man angepflaumt


und mal bissken mehr antworten würd Ihnen auch gut stehn
datt kann ja watt geben, do
ne halbe Stunde haben Se
dann muss die Einfahrt frei sein


---

Tach, Her Wagenknecht
sagen Se ma, watt haben Sie uns denn da wieder beschert
die neue Mieterin
die läuft aber leicht neben sich her, wa


wie
wann
wo
datt kann ich mir gar nich vorstellen


dort wohnen doch nur nette Leute
hat die da watt provoziert
ach so
tja


kapier ich nich, hier sterben sonst nur alte Leute
und im Park hatten se die beiden zwischen
datt muss doch aufgefallen sein
ich mein


richtich is datt nich, ne, aber
watt willst'e machen, watt müssen die da auch, ne
so offensichtlich
datt kannst'e nich von jedem abverlangen


und ich frag die vorhin noch
also hat die gar keinen Mann, keine Erfahrung damit
ja dann aber gute Nacht, Marie
aber auch immer mit'm Kopp durch'e Wand, wa


ja gut, dann soll se ma in Ruhe machen
ich hatte ne halbe Stunde angesacht
ich halt' datt mal im Auge
nah ran darf man an die nich


dann wird se ungehalten
eigentlich sollt' se froh sein
datt se hier die Unterstützung kricht
da oben in'e Fünfte


Ja dann Schüss, ne
Schüss, Herr Wagenknecht
nee, wirklich, kein Problem
Ich halt' da die Hand drüber


die wird sich schon noch eingewöhnen
is ja hier Gemeinschaft
ich geb den andern Bescheid
datt wird se schon noch merken


Alles klar
sonst Telefon, ne
ja, geht dann schnell
dann muss se datt halt woanders machen


bis dann, Herr Wagenknecht
ja, danke, man hilft wo man kann
is doch klar
wir haben ja alle ma'n Durchhänger, ne


Schüss
Ja
Schökess
Auf Wiedersehen




Samstag, 25. März 2017

Frühling

Ich hätt so gern hinter Deinem Rücken gelegen
in freudiger Erwartung
über den Rand hinausgeschaut
in Bogen und Linie verstanden


versunken am Schulterblatt
als Schild und Schwert
die Taille zum Festhalten
ein Geländer endlich nutzlos


Griff in freiem Fall
Klammern aufgegeben
Zwinge erledigt
Krampf zu Pluster


keine Angst mehr
was soll Entzücken sein
keine Rede mehr wert
Flüstern die Musik


laut und deutlich
leise abhanden
Aufatmen die frische Luft
Von Nordpol bis Südpol


und Kitsch als Gut
der Kern der Sache
die Dinge betrachten
ein Apfelbäumchen


nicht erst pflanzen müssen
pflanzen
fläzen
Pfanne oder Fahne oder Flagge


was Dir lieber ist
wie es Dir gefällt
aufgehen ganz anders
Du feines Plunderteilchen


Schnuppern an der Zubereitung
verteilen und zugucken
für das Plunderteilchen schämen
rote Wangen sind nicht rote Backen


und das Eis wird nicht geleckt
Eis wird geküsst
und Lutscher zu Lolli
Läutern befreit von Narziss


wie gesagt
hinter Deinem Rücken
die Vorfreude
zu dem was vor Dir liegt


aber
scheiß Aber


Du liegst dort nicht
Du ziehst durch die Lande
und mordest die Schwäche
die Dich nicht erkannt haben


von Anfang an
zuckersüß
ist nicht Dein Kitsch
was glauben sie denn


wer sie sind
von oben herab
denen werd ich geben
was bilden sie sich ein


und versteckst Dich bunt
und lässt sie die Begründung sein
und mittlerweile
hast Du Dich daran gewöhnt


Dein Frühling ist der Stand
infrage nicht gestellt
zurückgeblieben
unversehrt verwundet


Der Sommer wird Dich brüten
Der Herbst bringt Dich nach Haus
erfroren im Winter
das tut Dir gut


wer das nicht versteht
ist nicht nur doof
sondern reif
lach ruhig über die Insel


denn kalte Steine brechen nicht unbedingt
wie man vielleicht meint
warme Steine aber schon
wenn sie Fieber haben


und die kalte Nase ist gesund
besonders feucht
wie bei den Straßenkötern
die noch wedeln mit dem Stumpf


Herzliche Glückwünsche
wir geben uns einen aus
lachen uns kaputt
und brechen in der Mitte durch


wenn sie wünschen
hintereinander zu liegen
was nicht Gang und Gebe ist
wenn ich hinten träum


und verpenne
was Du voraus gesehen hast
was den Knospen blüht
wenn Du Deine Augen wieder schließt





Montag, 20. März 2017

ganze Welt

und sie wollten etwas and'res sein
und zerstörten die ganze Welt


sie bekleideten sich
beklagten sich nicht


was das ganze Zeug hergab
wie sie stolperten, stolzierten, aufeinander zu


voreinander her
sie trauten sich bunt, auch ungelenk


sie vertrauten auf Angst
und schworen der Feigheit ab


und wie sie lachten und flüsterten
auf die leichte Schulter stürzten


ihre Hände vor Augen
und an die ersten Schreie dachten


es sei das Glück, es sei zu Haus, endlich angekommen

jede und jeder für sich
noch gern allein

in Sehnsucht kochten
und gebaren

und Hoffnung trugen, füreinander
chic bedacht, in gut gemeint, und nicht in schlecht

und belegten und bewiesen
es sollte friedlich, fröhlich, fruchtig sein

was man da so denken kann
Trugschluss unter Reißverschluss, getarnt

geknöpft, bestickt, betupft
die Nähe festgefahren, eingetreten

als der erste Haken auftauchte
ein Krüppel in Farbe, an Form und Kontur

ein Ungewiss, fernab einer Angst
so mutig wild voraus, ein erster Zweifel

in Antwort vor der Frage
als es vorne nicht glattlief

was hinten nicht zu glauben war
an Weitsicht getüncht

unbedingt in glasklarem Verstand
vorgegaukelt, weil es doch ein Zauber war

und Mut im Hauch ein absoluter Rausch
die Sinne strapazierte

Verzieren viel zu langsam glich
der Haken endlich wuchs, als Anker viel zu schwach

wie eine Krampe in die Flitsche prallgezurrt
ein Daumen und ein Finger nicht länger herhalten können

das, was ein Handrücken auf lange Sicht nicht auszuhalten vermag

wenn das Böse sich vor Lachen krümmt
wie es in Gestalt anzunehmen vermag


was niemand sonst auf Erbe oder Altlast zurückführen mochte
die Verblendung guten Geistes, töricht ab von Sinnen


das Gift in diesen Blickwinkeln
den Anker auf den Haken herunterhungert


blitzgescheit, an Vorteil seiner selbst
weil ignoriert und abgelenkt, als meilenweit Voraus


dorthin, so leicht zu glauben
wie die Wahrheit auf Glaubwürdigkeit beruht


weiterhin, in Schutt und Asche legt
was Mitleid ist, was Denken ist


von Stand der eig'nen Dinge an
nach jeglichem Gefühl


und sie wollten etwas and'res sein
und zerstörten die ganze Welt



Donnerstag, 2. März 2017


Ich will die Liebe wiederhaben wie sie früher war

auf'm Bordstein, nach der Bude, nach eine Mark und achtzig, von dem und dem und dem, und Lakritz und schwatten Zähnen und schwatter Zunge und Lachen, Schmunzeln und Spucke, und den Kirschen, welche nicht so einfach zerbissen werden können, wie sie sich an den Gaumen schmiegen, und Saures Spass für die Backen war, und süß und rot so wirklich jede Wange nicht verdrängt werden konnte

Ich will die Liebe wiederhaben, wie sie in die Felder rannte, mal piekend, mal plusternd, ob windig oder hauchfein, fallend oder stolpernd oder fliegend, zwischen gemütlich bewegenden Wänden von Halmen so höher hinaus als zwei Köpfchen über zwei Schultern auf der Erde, schnuppernde Nasen, Mohn in kornblumenblau, ne Grille hüpft von Handrücken zu Handrücken, oder es hätt' so einfach sein können, und kein Käfer wurd' zerquetscht, obgleich die Rücken so lang' den Schäfchen am Himmel hinterherschlummerten

wieder Stachelbeeren finden dürfen, Weidekätzchen schon an einer Fingerkuppe allein erfühlen können, und die Hände voller Brombeerlila

und am Bach die Schuhe aus, und die Hosen oder die Hose hochgekrempelt, und die Stirn so frisch gekühlt, Deine und meine, vielleicht ja sogar gleichzeitig, füreinander, miteinander

und nur drei Gänge am Rad, aber schneller und tiefer in jeder Kurve als jede Achtziger von den Großen

und wenn wir Feuer machen, wo's nicht ausgezeichnet ist, dann sollen sie uns doch einsperren, kein einziger Tag könnt' uns getrennt verloren sein

auch wieder sechzehn sein

und abhauen und Huckepack und Räuberleiter

auch auf Garagendächer rauf, zum Picknick, mitten in der Nacht

und nicht erwachsen sein und Freundinnen und Freunde als Gäste bezeichnen

nicht überlegen, welche Gläser es sein müssen, wie und wo sie den Tisch einnehmen, dass sie nur noch gut und Gut für's Trinken sind

niemals zusammenleben, weil die Mietpreise so hoch sind und die Kaufpreise in Verhältnis noch darüber

rote Ampeln nicht mehr Ungeduld oder Wut auslösen, sondern Zeit für Knutschen und Küssen und Hände halten bedeuten, und Rübergucken, Ansehen, und staunen und bewundern, und mindestens vier rote Ampeln sich je Tag ergeben, also mindestens acht für Dich und mich, und nochmal acht dazu für uns

es könnte eine lange Liste sein, für schön und Schön und mehr und mehr davon und immer wieder

ist es aber nicht

Donnerstag, 23. Februar 2017


Guten Tag; haben Sie gerade ein wenig Zeit für mich ?

Wer sind Sie denn ?

Ich bin Deine Seele.

Öhm ... Wie ?

Ich musste aus Dir raus; war'n bissken eng geworden.

Von Siezen auf Duzen ging aber schnell ...

Nun, Du hast nicht mehr viel Zeit, Du würdest Dich selbst zerquetschen.

Was hab' ich denn angestellt ?

Tja, Du hast Dich verleiten lassen.

Und wohin und wozu und von wem ?

Na von Deinem Selbst, und zu einem Strichmännchen, und Du wirst bald vom Wind so einfach weggepfiffen; der hat's nicht mehr schwer mit Dir.

Und was soll ich jetzt machen ?

Falsche Frage, keine Antwort.

Was willst Du dann von mir ? Dann pflanz' Dich doch woanders ein.

Nee, Du, das ist nicht möglich, ich bin unbedingt mit Dir verbunden, ob innen oder außen.

Also gut; wohin geht die Reise jetzt ?

Zieh' Dich leicht und locker an, es geht jetzt ab nach Fliedersaat.

Wie, bitte ? Fliedersaat ?

Ja, Fliedersaat. Da kannst Du noch ein wenig wachsen und noch ein wenig Gutes tun, bevor der Wind Dich so einfach wegpfeifen wird.

Bleibt mir nichts anderes mehr übrig ?

Nichts anderes mehr, Du hast Dich ja vorher schon längst verleiten lassen; sei froh, dass es noch Fliedersaat sein darf und nicht, zum Beispiel, das Abgrundtief.

Ich versteh' nix mehr.

Stimmt, deshalb musste ich ja auch aus Dir raus.

Und nun ?

Mach' Dich klein, guck' hin, und stell' Dir prächtig Flieder vor, zu jeder Zeit im Voraus.

Wovon hab' ich mich denn verleiten lassen ?

Von der Sonne, den Urlauben und den Hängematten. Unter anderen.

Bleibt mir wirklich nichts anderes mehr übrig ?

Nein.

Gut, dann ende ich eben als Fliedersaat. Immer noch besser als Asche.

Ganz genau. Schön, dass Du so direkt verständig bist; das wird auch mir noch ein wenig an Zeit erhalten. Also: Du holst Dir jetzt, gebündelt in jeglichen Bruchteilen von Gefühlen, alle Zeiten Deiner eigenen Naivität in Deine eigene Verinnerlichung zurück.

Ja, Sekunde.

Fertig ?

Fertig.

Dann los. Da rüber, über die Straße, in den Vorgarten der alten Schneiders, und ab in die Erde unter'm Küchenfenster.

Wwwwwwupppsss ...

Herrlich. Mit Dir arbeite ich gerne zusammen.

Und nun ?

Abwarten. Jahre zu Sekunden zeitraffen. Und aufblühen. Und so bleiben. Unbedingt.

Bitteschön.

Dankeschön. Die Schneiders wird Dich nicht genügend gießen, und der Regen wird in den kommenden Jahren immer weniger erscheinen. Da musst Du durch. Reserve bilden. Das wird Deine Wüste sein, aber auch Dein Ablass. Alles klar ?

Alles klar. Und wie vertreib' ich mir selbst die Zeit ?

Gar nicht. Das ist Deine Strafe für Dein Verleiten. Aber eben auch Dein Erlösen vor dem Abgrundtief.

Hm. Ich werd's ertragen, wenn ich schon nicht überleben kann.

Das ist die richtige Einstellung !

Aber: Warum denn unbedingt die Schneiders ?

Weil die Schneiders morgen sterben wird. Ihre Zeit ist um. Sie will nicht mehr. Sie ist es satt. Und was sie zuletzt noch sehen will, ist Flieder. Du musst Dich gemütlich im Wind bewegen, so behutsam hin und her; und Du musst ihr blütenleicht was zum Schnuppern bieten. Es darf sich aber nicht wie Bieten anfühlen. Also gib ihr von Sonne, Urlaub und Hängematte ab; in feinem Anflug, warmem Licht und kühlender Brise.

Aber warum denn dann von der Erde vor ihrem Küchenfenster hoch ?

Weil die Schneiders zuletzt aus ihrem Küchenfenster herausblicken wird; sie wird das Fenster öffnen, fast schon aus den Angeln schlagen; sie wird die Scheibe und den Rahmen zuletzt nicht mehr ertragen, sie will zuletzt das Fenster anders sein.

Und dann ?

Dann wird Dich der Wind hinwegpfeifen, absolut verblühen. Dann bist Du endlich erlöst.

Und die Schneiders ?

War zuletzt berauscht von Flieder. Wie zuletzt als Kind.

Na dann ... Auf Wiedersehen ...

Auf Wiedersehen.


Sonntag, 12. Februar 2017


es gehört mir nicht

was sollen denn die Nachbarn denken
es gehört sich nicht
das geziemt sich nicht
nicht in den Dreck werfen
träumst du schon wieder
keine kleinen Teile aufsammeln
was so alles durchscheuert
Hosentaschen leeren
ausgefranst, abgeknapst, die alte Leier
nicht antatschen, Finger waschen, nimm die Pfoten da weg
beim Metzger, beim Fleischer, die Blutwurst
die heiße Herdplatte, die tiefe Treppe, Keller unter Wasser
tonnenweise frisches Obst, Wurm und Laus bespritzt
Pfirsichhaut, Tagescreme, Mütze auf im Winter
hinter der Scheibe, Gitterbettchen, Laufstall
durch die Gardine durch, Milchglas, kaltweiß
Nachtlicht in der Steckdose, Ferngeräusch aus vollen Zügen
Fenster auf Kipp, atme tief ein, Rouladen am Sonntag, vielleicht
Nachts muss Dunkel sein, damit du ausgeschlafen bist
nachspielen, Sandkuchen, Sandburg, matsche
Grobian, Zicke, Schulwürger
Fingernägel schrubben
dabei sind's die Kuppen
und das Darunter
unter den Nägeln
hinter den Bretterbuden, verheddert
Stichlingsbach als Pfütze, Wasserkrahn die Leere
wie Hühner auf der Stange, zum Abendbrot nach Haus
Flitsche und Krampe, Käscher am Stil, Turnschuh mit Klett
Sandalen, Gummistiefel, aalglatt, wie sie sich winden
und Haarnetz, wo vorher unter Umständen Kutte war
genäht, gestichelt, gepiekt
Spießroutenlauf, Spießbratenbrötchen, degenhart
Apfel vorne rein, Eimer Zwiebeln drüber, pikant gewürzt
nachsitzen, abschreiben, aussitzen, Stillschweigen
was kaputt macht
gegen Blut gibt's Jod
Mandeln oder Schilddrüse, wenn du immer so müde bist
du musst dich nur mehr bewegen
aber doch nicht so
aber doch nicht jetzt
die Kruste muss ab
lass Luft daran
oder geh vor's Feuer
fall nicht rein
erst dann, wenn du das Weiße in den Augen sehen kannst
wenn du Weise in den Augen sehen kannst
sei wachsam, sei dabei, bleib steif
Weißglut, weißmachen, weismachen
Beitragsleistung, Leistung abrufen, Leistenbruch
Dachlatte, am Zaun, über'n Gartenzaun
mach dich gerade, zwischen zwei Punkten
die kurze Verbindung, gering an Widerstand
anbieten, mitspielen, abräumen
Kassensturz, Fegefeuer, Klassenkampf, Wetten abschließen
Spinat, Fisch, Schimmelpilz
Asbest, Formaldehyd, sind nur Nebenfächer
sich verrechnen, nicht damit rechnen
Bücherwurm, Leseratte, dummes Schwein
keine Panik, mach langsam, alles hat sein Gutes
schlaf mal ne Nacht drüber
alle Jahre wieder, jederzeit
von nichts gewusst, danach
vorher große Klappe, Babyklappe
halt die Klappe, sei leise, nicht so laut
definiere das mal
wiederholen, im ganzen Satz von vorn
in ganzem Satz von vorn herein
reden, sprechen, Monolog um die Ohren
klatschen, pfeffern, sprayen
Dialog auffrischen, Diaabend kuckn
guck dir mal die Scheiße an
in jeder Scheiße steckt ne Chance
sonst wär's keine Scheiße
motzen, moppern, koffern
umfallen, gegenrennen, niederbrennen, tösen
einmal um die ganze Welt
gedröhnt, betrieben, abgehetzt und absolut verpennt
verpuffen, Sandstrand im Getriebe
pack nicht so viele Klamotten ein
wo soll das denn hinführen
dann mach doch einfach ne Lehre
die meinen das nicht so
das musst du nicht für immer machen
nimm's nicht so eng
Augen zu und durch, ab durch die Mitte
kurz und kleinschlagen
watt für'n Parziwall ?
Tell war'n Finne, sagt man
du musst das mal einsehen
mal eben drüber gehen
wischen, Wupper, Schmuddelkram
und so weiter und so fort
mach mal halblang
hab ich keinen Vertrag mit
alles auf Anfang
am Anfang steht noch lange nicht das Wort
das ist doch nur mein Temperament
selbst schuld, kann ich doch nichts für
lückenhaft, Mückensaft, zuckersüß
gut gemeint, halbe Miete, Wasserlatte
Wertmarke, Butterbrot, Plastiktüte, Schlüsselkind
auf Wiedersehen, bis bald, ich seh dich wieder
sie sagen es
es gehört mir nicht


Montag, 30. Januar 2017


nachts, ne
komm ich in Ruhe an

Ich, aber nich mehr in ego
komm, wir legen den Teufelsgeiger ein

was soll denn dann noch einen Unterschied zwischen Geige und Violine ausmachen können ?

oder ich leg mal gar nichts ein, sondern Du
wie es Dir gefällt

oder gehen nochmal ne Runde raus
eine Runde um den Block

wenn wir Glück haben
schreit nichts, heult nichts, weint nichts

und wenn nicht und wenn doch
dann können wir's zumindest nicht mehr umgehen

bestimmt nichts fremd
einige Stunden tagelang, vielleicht

wie Urlaub, fast schon
Huckepack und Räuberleiter, schon möglich

mitten auf der Straße, vor der Ampelanlage
unter gelb, grün und rot

Küssen und Knutschen oder heilig sein
holdselig

in Nachtlicht und Ferngeräusch
wandern, stolzieren, rennen

oder tapsen und plustern und schnuppern
und sind nicht bezwungen, blendend auszusehn

und dann wieder rein
zurück nach Haus zu Dir

Ist das feine Plätzchen da neben Ihnen denn noch frei ?
hauen wir noch etwas in die Pfanne ?

oder nippen oder schlucksen
Tasse, Gläs'chen oder Pott ?

selbst ne Tütensuppe ist dann heiß
oder ne Büchse Fisch in Tomatencreme ?

hauptsache rot
ob in der Küche oder vor den Fenstern oder nicht mehr öffentlich

hauptsache eigen
das hast Du ja fein aufgelöst, nicht hingekriegt

und Sachen kloppst Du kaputt, so lange schon
in leise und laut und ohne weitere Worte

in gut
und nicht in schlecht

und Jungens überspielen, wenn es ernst wird
und deshalb reden sie oftmals noch von Sachen

Ich geb mir aber Mühe, feige sein soll wegwerden
deshalb nachts, ne

komm ich in Ruhe an
und wenn es noch so lange andauern muss

war's wenigstens nachts und nicht blendend
und umso mehr Dein Rot

umso weniger als Ampelanlage
tags zuvor und tags voraus

Ich, aber nich mehr in ego
und dann wieder rein

endlich
zurück nach Haus zu Dir

wenn es nicht mehr nur eine halbe Nacht sein braucht
wenn Du ein Abenteuermädchen bist

und Überspielen ertragen könntest
bis es nicht mehr dunkel sein muss

anders krieg ich's wohl nicht hin
von allein

nachts, ne
wenn Du wieder gibst

und ich nur nehmen kann
was mir übrig bleibt

denn ich bin nur der Junge
aber Du bist das Mädchen

tags, ne
wenn Du wieder stärker bist

und fragst, vielleicht, innerlich, rhetorisch
warum kann er nicht mehr Mädchen sein