Mittwoch, 26. Oktober 2016

das ist frEmde und Fremde

red ma deutsch
ess auF du klon
geb ma ketschupp rübber

musste sich der Kumpel anhören
immer und iMmer wieder
von leuten


welche Wissen
was ein befehl Isst
nicht abEr ein imperatiumtiv

immer und immer wieder
von sechs biS zwölf
und von Sechs bis Zwölf

dann schließlich war er endlich soweit

und sagte zu einen kumpels
auf der eRsten klassenfahrt

ey - red ma deutsch
ess auf du klon
geb ma ketsChupp rübber

dann fanden sie ihn doof

er konnte Ja nicht deutschsprechen
und deutsch konnte er ja auch nich

auch nicht sein
auch nicht geWesen sein

geht Ja gar nich

da war er dann allein

so oFft
immer und immer wieder

und Summen kam dazu
wurrde möglik
war dann drin

ergab Sich von selbst
das war keiner Frage mehr
wundeRte sich stumm und Stil

und weil er so viel allein war
sprach er nicHt mehr so viel
und wen doch


dann sprach er nur mit sich selbst
zu sich selBst

so oft

denn die familie
sprAch bisher nur fremde
und Fremde bis hierhin

auch Sie

die FammIlie
war schon länger

vor ihm
endlich
soweit geMacht worden

und er war ja der Jüngste
aber eben nichT mehr der jüngste

der kleine kärl

schon kurze zeit später

konNte er
auch nicht mehr

reden
nicht mal mehr reden
nicht mal meHr mit sich selbst

zu sich seLbst
er war so weit

dass er sich selbst nicht mehr

verstehen
konnte
so stAnd er dann


oft allein an der straße
und laUschte
dorthin wollte er dann doch noch gehen


weil er sich an
der regeLn hielt
und hofFfte

und eines tages

noch viel später
fuhr ein junGe mit seinem Geländerat

durch die straße und Hochstarrt 
und weiter einer omma in den rÜcken
und ließ sie fallen

nahm ihre handtaschen

und fuhr mit dem rad
wieder Weg

eine nachtbar

hatte nUr
den zwölfjährigen gesehen

querbeet
kam zu spät
erschien zu speet

nach dem zwölfjährigen wOllte der nachbar
in der gebottenen geschWindigkeit
scheinbar gar nicht sehen

und wEil der fremde zu dieser Zeite 

an dieser Straße stund und strasste
und lauschte

nicht aber sprechen konnte
war er schuld
und Schuld

da schickten die leute ohne imperativ

die Fremde 
wieder nach hause

und die omma kam ins kranken haus


zuhause konnte der frÄmde
aber auch nicht mehr sprechen

weil er eben

so lange nicht
meer
zu haUse gewesen war

da hatte er garkein zuhause mehr

stellte Er fest
musste er feststellen

somit stellte er sich wieder an die straße
und lauscHte
lief von da an immer wieder


in die Strasse
und lauschte
und eineS tages


noch viel später
fuhr ein junge mIt seinem GeländeRat
durch die straße

und weiter mit Hochstarrt einer oma
in Den rücken
und ließ sie fallen

nahm ihre handtaschen

und fuHr mit dem Rad
wieder weg

eines nachtsbar hatte nur des fremden gEsehen
den deutschen bis da hin
und den deutschen dort

schlug den deUtschen Fremden sofort 

gerÄcht ins gesicht und trug die oma
in eins krankSenhaus

und weil der Deutsche fremden ja nicht

sprechen konnTe
kam der deutsche fremden

ins gefängnis
der Fremde sowieso
dA konnte der deutsche Fremde


nicht mal mehr
an der straße stEhen
und lauschen

das ist fremde
und Fremde

immer und immer Wieder

In diesem anderen Land



Sonntag, 18. September 2016

andere Welt

Ich hab für Dich Orangen und Zitronen und Feigen und Oliven
und wenn nicht, dann geb ich Dir das, was ich hab
wenn Du meine Gründe betrittst
so lange ich übrig bin
setz Dich
entspann Dich
ein Boden kann ein Tisch sein
ein Boden kann der größte und weiteste und tiefste Tisch sein
an welchem alle Platz finden können
auch die anderen
und wenn wir selbst nicht rauchen
dann rauchst Du bitte, wenn Du so bist
wir besorgen Dir die Zigaretten
wir gehen für Dich dorthin, wo sie zu finden sind
wir belehren Dich nicht
und wir essen
und trinken
in der ganzen Welt
und machen uns nichts vor
und was sie uns genommen haben
holen wir Dir zurück
und sei es ein letzter Gedanke
und wir hören Deine Geschichten
und erzählen unsere, wenn Du magst
auf dass der Wind alle Sprachen für uns übertragen kann
und wenn wir nicht so sind
entgegen aller Urteile
dann haben wir versagt
genau wie Du
in einer anderen Welt



Donnerstag, 15. September 2016

Wetterrasse

Freiheit, Süße
bist noch nicht geborn
warst vielleicht mal kurz ein Trend in buntem Hemd
was wir uns zusammenreimen
wie sie munkeln
immer und immer wieder
von Bürgerkrieg schon wieder
wie wir nicht gelassen sind
wie wir reden
was wir sagen
wovon wir sprechen
wie wir mit dem Hammer zeigen
jedes noch so dünne Span
Blutfettwerte
zuckerkrank
energiegeladen
wie wir Feuer machen
hetzen, hassen, richtig sein
gleiches Recht für alle
Bürger Rinnenkrieg
Bürgeres
bürgeresk
die Sprache verkommt, wie sie sagen
wirklich ?
sie passt sich an, oder ?
und verbrennt, schmurgelt, lodert
sengt, zerfrisst
kann ich nicht hören
es hat sich ausgeduldet
Kaffeedurst bis Lippenkäse
Geifer zu Klärschlamm
die totale Lösung
spucken, rotzen, Benzin für Gas ins Feuer pumpen
schemische Reaktion
das kann uns niemand übel nehmen
drei Schinesen mit dem Kontra; Bass
Ich bring dich um, du Sau
Ich will dich nicht mehr sehn
Du dreckiges Schwein
Aufräumen und Saubermachen
Fegefeuer
nicht reinigend
säubernd
Ich werd dir zeigen was die Lehre ist
Du wirst jetzt lernen, was ich will
da hab ich keine Angst vor
Es ist nicht die Angst, die die Wut zum kochen bringt
es ist meins; und nicht deins
Und Schlagstock, Pistole und Gewehr
da lach ich doch drüber, viel zu umständlich
Ich hätt so gern nen Flammenwerfer
das wär ein Heidenspaß
überleg dir das mal, was man damit alles anfangen könnte
mit deiner blöden Fratze
pass auf, bald hab ich dich am Kragen
Frollein, Freundchen, asoziales Blag
Wehe, wenn ich dich noch einmal seh


Freiheit, Süße
bist noch nicht geborn




Montag, 12. September 2016

Wohlsein und Würde

wär nich schön
wenn n Hippie ne teuer Karre fahren würde
n Banker in ner frischen Flickenbuxxe auftreten
Theater und Schauspiel zum Beispiel auf m Wochenmarkt
ne Rockerin und n Rocker Ärztin und Arzt
Deine Mutter die wahre Bundestagspräsidentin
wenn se so will
und ein Vater schält so filigran die Kartoffeln
und räumt auch alles wieder auf; putzt als Strahlemann
wenn er so wollte
die feinsten Bratkartoffeln und Fritten machen könnt
Und Dein Geschwister schreibt ne Karte aus Battipaglia
während Oppa und Omma auf e Veranda sitzen; und fragen
Na, wie war ett denn heute
willst e noch watt essen; datt geht schnell warm
und wir fragen zurück und antworten nicht zuerst

wir machen auch mal was; unternehmen nicht erst dann
Und ne Tiefkühlpizza allein
nich nur Pappe mit Gewürz und Fitzel

ein Fisch nicht zu Angst auf Prozentanteil reduziert
ne Mutter noch Zeit für n Ponyhof übrig hätt
und Füttern nirgends mehr verboten wär
jede Bude aus massivem Material
Milch in alle Länder käm
und Äpfelchen aber auch
Wasser nicht als Luxus gilt
und alle Kinders segeln könnten; und von Segeln wüssten
ne Erzieherin noch was mit Zauberei machen dürfte
und Begriff als Vor-Urteil abgelöst und aufgelöst
Ein Fahrrad von der Post n E-Bike; zumindest, mindestens
Fernsehen aus jedem kleinsten Winkel heraus; nicht nur Programm
elektrische Zahnbürsten für immer halten würden
nur noch so die Köpfe ausgewechselt werden
Fahrrad lernen wieder Wunder wär; so gefühlt; von kleinauf an
Fahrstuhl fahren nicht Pudding in den Beinen; gut für den Bauch
und ne Frau mit zwei Kindern nich nur zwei Würstchen kaufen kann
sich das leisten können; und darüber hinaus für mehr Kinderessen
und ein Vater an der Ampel nicht von Kind an wegsieht
ein Kind sich nicht mehr schämen muss

nicht mal ansatzweise mehr verwundet wird
Luxus nicht von Menschen gemacht sein
die Liebe jede Religion verspotten könnt; gleichfalls
Silvester nicht nur als Dubai als Highlight knallen
lecker Muscheln nicht nur für paar Monate
die Gerüchteküche nicht mehr klappen würde
Sprache nicht so wichtig wär wie Krieg
n Kopf nich an ne Dunstabzugshaube dellern
Gespenster raus, Gespinste her
sie tragen keine Rechte
wir haben unseren Beitrag geleistet; verdient
wir sind von Anfang an da durch gegangen; oftmals heimlich sogar
Baustellen endlich für alle Beteiligten guten Krach machen
Süchte nur noch schön und Wertschätzung
Rauch nicht mehr in über siebzig schlechten Stoffen besteht
Obst nicht sündhaft teuer ist; für und gegen jede Teilhabe
Pflücken ein Spaziergang ist
Freispiel keine Lehre
und Platzwunden nur noch mit gickern und ohne leiden
Verdingkinder müssen nicht mehr weitermachen
Schlüsselkinder sind schon groß und wollen das so haben
selbst und selber
Prügelkinder kennen wir nicht mehr
kleine Biester und süße Monster sind ausverkauft
die Raben sind ein schöner Herbst
und Stille niemals Ignoranz
Stachelbeeren wieder nebenan aufwachsen; mit Rhabarberstrünken
ett is nich ekelich; es ist nicht voller Dreck
und Spucke wieder für Brennesseln ausreicht; kühlt und lindert
all solches farbig, froh und fruchtig
und Saures wirklich nur noch süß und lustig macht
die Tage nicht mehr blenden
die Nächte ohne Teufelsgeiger reichen
niemand mehr blendend aussehen muss
Licht und Sonne für immer friedlich sind
Befehle schlichtweg als Imperative verbleiben
und warum nicht Flieder züchten
wenn es dann für immer leuchtet und duftet
Geschwister nicht verbiegen und verrenken
Spargelstechen nicht für arm und Rücken ist
mindestens vier Jahreszeiten an der Moldau sind
die Seen und Flüsse betten wir uns selber ein
wir schlafen doch nicht gern auf Müll
Wiesen, Wipfel und Kronen schneiden wir aus Postkarten heraus
vollidiotisch wird uns lieb behutsam
wir investieren uns nicht mehr kaputt
und rote Ampeln nicht stressen; sondern gut und Gut
für küssen und knutschen werden
Kirmes nicht zu Attraktion vergammelt
und jede, jedes und jeder ein feines Bäumchen
für die ganze Stadt gepflanzt
wär schön
oder etwa nicht




Montag, 5. September 2016


Fliederwand

rausdürfen, endlich
Augenkneifen, der Sonne wegen
knippern, die Kruste muss ab
wohin, wohin zuerst
sind noch alle da
an der Bank, die Spucke und die Malzeichen
auf der Rutsche, die Mutigen mit Rad oder Kopfstand
auf der Reifenschaukel, so einfach singen und fliegen
die ganze Combo, so losgelöst
und wie der Reifen sich dreht
und wie da angschubst wird, von den anderen
behutsam, wenn gesungen wird
nicht gegen den Balken gedonnert, als Mutprobe
Auf dem Donnerbalken
saßen die Gestalten
und sie schrien nach Klopapier, Klopapier
Aber alles schon besetzt
und sie gucken weg
weil sie nicht verstehen, sich aber vorstellen können
und sie gucken weg, in gut gemeint
alleingelassen, aber nicht schämen müssen
trotzdem schämen, wie auch immer
aber nicht reden müssen, oder sprechen
Ganz ruhig
da vorne, bei Schneiders
an all dem anderen vorbei, mittendurch, nur wenige Schritte
wenn sie ausgelassen beschäftigt sind, eher unauffällig
Die Schneiders im Kittel, und Schürze extra oben drüber
und sie schimpft, und sie schreit, und sie schwingt den Besen
wenn wir Osels, die Kinders, zu nah an ihrem Grundstück stehn
Ich kann nicht anders, wenn rausdürfen, endlich, angelangt ist
Dann muss ich dahin
vor die Fliederwand
Ihr Eckstück, die lange Seite am ganz geraden Bordstein dahin
gegenüber der Straße, hinter den zwei Bürgersteigen, so nah angrenzend
Ein Mann oder Opa oder Oppa oder Großvater ist nicht mehr da
Sie schreit immer nur allein
dabei ist der Flieder so schön, so wehend nebeneinander
so wiegend und so vorsichtig, so ganz ein bisschen
wie flüstern und schmunzeln
und leise alles sagen können, ganz deutlich, sogar so laut sehen
ganz angenehm, in so gemütlich leise, all das einfach endlich hören können
was gut ist und was weh tut, und wie es heilemachen kann
und wie es nicht schlimm ist
wenn der Flieder schunkelt und funkelt und leuchtet und glitzert
wie Blüten sogar spiegeln können und gar nichts blendet
und sogar nichts mehr vom Gucken in den Augen wehtun kann
wenn man gar nicht mehr weggucken muss
wenn man endlich erledigt, wieder nur für schön zuhören darf
und sehen, wie die Fliederwand sich anfühlen kann
wenn die Schneiders wieder schreit und verjagt
wenn sie das so will
aber das dann gar nicht mehr geht, es nicht mehr greifen kann
sie ist nicht mehr zu hören, sie ist nicht mehr zu sehen
wenn der Flieder wiegt
und wenn der Bordstein gegenüber
die schöne Grenze neben der Straße ist
gegen diese niemand mehr sein kann
Und dann sitzen, die Borde fühlt sich gar nicht hart an
sie tut nicht weh, egal, wie lange dann ein Stunde ist
oder die Zeit bis Abendbrot
und der Ruf laut wird
und wieder aufstehen müssen
wenn die Beine so gemütlich müde geworden sind
und die Hände gute Stütze warn
und die Ellenbogen mal endlich Pudding in gut
das Biegen keinen Schmerz verursachen kann
Biegen eine Spannung ist, wie auf Trapez
für schön und gut und anmutig, für vorwärts
und die Handflächen, die so wohlig weichen Bäckchen in der Hand
von innen ganz warm, und kleinste Steinchen der Schrittplatten
gar nicht pieken oder zwirbeln, wenn sie wie feine Erde sind
gute Klumpen, kleine Klümpchen
und Ausruhen
Und in den Schuhen alles mögliche vor sich herschieben können
auch die kleinsten Dinge
und nach links und nach rechts und wieder zurück und hin und her
ein Stein zum Steinchen oder Kiesel klickert
sich das einfach gut anhört, auch das kleinste zu hören ist
auch in der Rinne, sogar mit Hacke, Kicken sein kann, wie sonst nur mit Ball
so klein in so groß, auf kleinstem Platz, und nichts geht mehr daneben
und vielleicht gurgelt dann
sogar der Gully nicht mehr
und auf den Boden gucken ist gar nicht mehr nötig
die Erde wird gefühlt
was daraus geworden ist, aus all den anderen Resten
die kleinsten Teilchen dort
auch in schwarz und dunkel nichts Schlimmes mehr bedeuten müssen
auch keinen Dreck
In Ruhe aufsehen und hingucken, nach vorne hin voraus
an die Fliederwand
auf der anderen Seite, da gegenüber
und Jägerzaun ist keine Grenze, und Maschendraht auch nicht mehr
und mauern übersehen
wenn nur noch eher dünne Äste feine Strünke sind
welche diese feinen Farben tragen
was ganz anders ist als kornblumenblau
direkt vor der Haustür, nicht erst so weit weg in den Feldern
dieses eigene leuchten
und schnuppern und zischeln wie flüstern in ganz schön
und wie es duftet und nichts nach Seife schmeckt

wie es so herüberweht, natürlich, ganz einfach so, erblüht
die Ruhe endlich einkehrt
und die Kraft erwacht und sich ganz leicht wiederfinden lässt
kein Glaube und kein Wunsch mehr nötig sind
wenn es wirklich wahr ist
wie sich das da anfühlt
und Ansehen erlaubt
Und wenn die Arme dann wieder im Schoß landen
und die Beine wieder beieinander stehn
nichts mehr hin und her geschoben werden braucht
dann lässt die Schneiders auch den Besen sinken
und sieht genauso aus wie vorher
aber das Schreien ist weg und das Verjagen auch
Sie ging dann rein
und da klapperte auch kein Geschirr mehr aus der Küche raus
So eines Tages, scheinbar ganz von selbst, keine Ahnung
da muss ich wohl noch drüber nachdenken, nichts übersehen
vielleicht bisher zu viel nur einseitig betrachtet oder gefühlt
Der Flieder schob sich zusammen, die einzelnen Blütenkörbchen
wie die liebe Zudecke in der Nacht
Strünke zu Stärke, Ast ist stärker als Holz, Kraft wie ein Fort
es geht nicht nur um Burg und Stein und Stahl, so unbeweglich
und dann so innerlich sagte: lass es gehn, lass es einfach gehn
wann immer Du magst, wo immer Du stehst
Du brauchst Dich nur zu erinnern, Du kannst es für immer haben
es behalten, geschenkt, kostet nichts, nichts in schlecht
und so lang die Schneiders schimpft und schreit
bin ich immer für Dich da
Und wenn sie nicht mehr schimpft und schreit
und sie mich womöglich umhauen
dann kannst Du Dich an mich erinnern, ganz eigen
und endlich ankommen, ganz von selbst
egal zu welcher Zeit, für immer.



Donnerstag, 16. Juni 2016


Schlüsselkind
...
Essen im Kühler
dritte Box von unten
und iß auch mal den Rosenkohl
ist nur eine kleine Portion
und extra Deine Lieblingssauce drüber
gut umrühren und vermischen
vorsichtig aufwärmen auf Stufe zwei
und zugucken, nicht abhauen
die große Kelle liegt noch in der Spüle
und setz Dich an den Tisch, wirklich
sonst machst Du mal die Flecken aus der Wäsche raus
und Hausaufgaben vor Spielen, bitte
und trink auch mal Sprudel, mindestens zwei Glas
bin um sieben wieder da
hab Dich lieb
---
Die Wohnungstür wird nicht geknallt
sie scheppert nicht ins Schloss
Die Schritte sind viel lauter
sie fallen auf
Die Jacke knistert
egal welcher Stoff
aufhängen ist kein Unterschied
Die Schuhe lass ich an
sonst ist es kalt
Wenn Du nicht da bist sind die Fenster zu
und die Heizung ist runter
und trotzdem ist es drückend
Aber die Hände muss ich nicht vorher waschen
das kannst Du ja nicht sehen
In der Küche riecht es nach dem Spülmittel
da mag ich nicht mehr Wasser trinken
Der Geruch macht sich nicht von selbst
es aufgewärmt ist anders
Ich konnte nicht schlafen
als es spät nochschon kochte
und die Bettwäsche war stärker
so konnte ich schlummern
und morgens warst Du weg
und ich musste in die Schule
---
wenn Du wieder da bist
hab ich Dich lieb




Sonntag, 3. April 2016

Wunschbild
Egoteil
auf der anderen Seite
eingelistet


Ich möcht vermissen
von vornherein


Deinen Geruch
welcher meine Möbel verschob


Dein Gepluster an Haaren
wofür ich keine Brille verbrauchen konnte


Deinen Handlauf

welcher mich wachen ließ


Deine Stimme
die klangvoller ist als alles andere meiner Worte


Deine Klamotten
als die Jahreszeiten sich verstanden fühlten


Deine Uhr
nach welcher all die Platten gierten


Deinen Rücksitz
der auch für Hunde bereitstand


Deine Aprikosen
weil diese mir Tradition zubereiten


Deine Haltung
gleich morgens schon verbunden in eigenwarm


Deinen Blickfang
für Nachhause gelangen


Deine Ringe
so grenzenlos am kleinen Ritter


Deine Sprache
in alle Länder reingefunkt


Deine Stille
in allen Ländern Zuversicht


Deine Schritte
auf allen Wegen Pech zertreten


Deine Fensterbilder
somit die Kleinen Knöpfchen erste Schritte anführten


Dein Marzipan
obgleich ich's noch immer nicht schmecken kann


Deine Stimme
wegen Unterschied zwischen Geige und Violine


Deinen Haustürschlag
zum Wachrütteln gegen Verpennen


Deine Zeichnungen
ganz und gar klitzeklein in jeder Ecke leuchten


Deine Lache
weil keine Anlage so zierlich klingen kann


Deine Gunst und Güte


all dieses im Auszug lediglich
an wenigen Beispielen


weil Du nichts davon hast
weil ich nicht Du sein kann
weil wir nicht eins sein können
weil Du Deine eigene Größe erlebst


und ich also nicht mithalten kann
und deshalb vermissen


von vornherein
als Wunschbild