Sonntag, 12. Februar 2017


es gehört mir nicht

was sollen denn die Nachbarn denken
es gehört sich nicht
das geziemt sich nicht
nicht in den Dreck werfen
träumst du schon wieder
keine kleinen Teile aufsammeln
was so alles durchscheuert
Hosentaschen leeren
ausgefranst, abgeknapst, die alte Leier
nicht antatschen, Finger waschen, nimm die Pfoten da weg
beim Metzger, beim Fleischer, die Blutwurst
die heiße Herdplatte, die tiefe Treppe, Keller unter Wasser
tonnenweise frisches Obst, Wurm und Laus bespritzt
Pfirsichhaut, Tagescreme, Mütze auf im Winter
hinter der Scheibe, Gitterbettchen, Laufstall
durch die Gardine durch, Milchglas, kaltweiß
Nachtlicht in der Steckdose, Ferngeräusch aus vollen Zügen
Fenster auf Kipp, atme tief ein, Rouladen am Sonntag, vielleicht
Nachts muss Dunkel sein, damit du ausgeschlafen bist
nachspielen, Sandkuchen, Sandburg, matsche
Grobian, Zicke, Schulwürger
Fingernägel schrubben
dabei sind's die Kuppen
und das Darunter
unter den Nägeln
hinter den Bretterbuden, verheddert
Stichlingsbach als Pfütze, Wasserkrahn die Leere
wie Hühner auf der Stange, zum Abendbrot nach Haus
Flitsche und Krampe, Käscher am Stil, Turnschuh mit Klett
Sandalen, Gummistiefel, aalglatt, wie sie sich winden
und Haarnetz, wo vorher unter Umständen Kutte war
genäht, gestichelt, gepiekt
Spießroutenlauf, Spießbratenbrötchen, degenhart
Apfel vorne rein, Eimer Zwiebeln drüber, pikant gewürzt
nachsitzen, abschreiben, aussitzen, Stillschweigen
was kaputt macht
gegen Blut gibt's Jod
Mandeln oder Schilddrüse, wenn du immer so müde bist
du musst dich nur mehr bewegen
aber doch nicht so
aber doch nicht jetzt
die Kruste muss ab
lass Luft daran
oder geh vor's Feuer
fall nicht rein
erst dann, wenn du das Weiße in den Augen sehen kannst
wenn du Weise in den Augen sehen kannst
sei wachsam, sei dabei, bleib steif
Weißglut, weißmachen, weismachen
Beitragsleistung, Leistung abrufen, Leistenbruch
Dachlatte, am Zaun, über'n Gartenzaun
mach dich gerade, zwischen zwei Punkten
die kurze Verbindung, gering an Widerstand
anbieten, mitspielen, abräumen
Kassensturz, Fegefeuer, Klassenkampf, Wetten abschließen
Spinat, Fisch, Schimmelpilz
Asbest, Formaldehyd, sind nur Nebenfächer
sich verrechnen, nicht damit rechnen
Bücherwurm, Leseratte, dummes Schwein
keine Panik, mach langsam, alles hat sein Gutes
schlaf mal ne Nacht drüber
alle Jahre wieder, jederzeit
von nichts gewusst, danach
vorher große Klappe, Babyklappe
halt die Klappe, sei leise, nicht so laut
definiere das mal
wiederholen, im ganzen Satz von vorn
in ganzem Satz von vorn herein
reden, sprechen, Monolog um die Ohren
klatschen, pfeffern, sprayen
Dialog auffrischen, Diaabend kuckn
guck dir mal die Scheiße an
in jeder Scheiße steckt ne Chance
sonst wär's keine Scheiße
motzen, moppern, koffern
umfallen, gegenrennen, niederbrennen, tösen
einmal um die ganze Welt
gedröhnt, betrieben, abgehetzt und absolut verpennt
verpuffen, Sandstrand im Getriebe
pack nicht so viele Klamotten ein
wo soll das denn hinführen
dann mach doch einfach ne Lehre
die meinen das nicht so
das musst du nicht für immer machen
nimm's nicht so eng
Augen zu und durch, ab durch die Mitte
kurz und kleinschlagen
watt für'n Parziwall ?
Tell war'n Finne, sagt man
du musst das mal einsehen
mal eben drüber gehen
wischen, Wupper, Schmuddelkram
und so weiter und so fort
mach mal halblang
hab ich keinen Vertrag mit
alles auf Anfang
am Anfang steht noch lange nicht das Wort
das ist doch nur mein Temperament
selbst schuld, kann ich doch nichts für
lückenhaft, Mückensaft, zuckersüß
gut gemeint, halbe Miete, Wasserlatte
Wertmarke, Butterbrot, Plastiktüte, Schlüsselkind
auf Wiedersehen, bis bald, ich seh dich wieder
sie sagen es
es gehört mir nicht


Montag, 30. Januar 2017


nachts, ne
komm ich in Ruhe an

Ich, aber nich mehr in ego
komm, wir legen den Teufelsgeiger ein

was soll denn dann noch einen Unterschied zwischen Geige und Violine ausmachen können ?

oder ich leg mal gar nichts ein, sondern Du
wie es Dir gefällt

oder gehen nochmal ne Runde raus
eine Runde um den Block

wenn wir Glück haben
schreit nichts, heult nichts, weint nichts

und wenn nicht und wenn doch
dann können wir's zumindest nicht mehr umgehen

bestimmt nichts fremd
einige Stunden tagelang, vielleicht

wie Urlaub, fast schon
Huckepack und Räuberleiter, schon möglich

mitten auf der Straße, vor der Ampelanlage
unter gelb, grün und rot

Küssen und Knutschen oder heilig sein
holdselig

in Nachtlicht und Ferngeräusch
wandern, stolzieren, rennen

oder tapsen und plustern und schnuppern
und sind nicht bezwungen, blendend auszusehn

und dann wieder rein
zurück nach Haus zu Dir

Ist das feine Plätzchen da neben Ihnen denn noch frei ?
hauen wir noch etwas in die Pfanne ?

oder nippen oder schlucksen
Tasse, Gläs'chen oder Pott ?

selbst ne Tütensuppe ist dann heiß
oder ne Büchse Fisch in Tomatencreme ?

hauptsache rot
ob in der Küche oder vor den Fenstern oder nicht mehr öffentlich

hauptsache eigen
das hast Du ja fein aufgelöst, nicht hingekriegt

und Sachen kloppst Du kaputt, so lange schon
in leise und laut und ohne weitere Worte

in gut
und nicht in schlecht

und Jungens überspielen, wenn es ernst wird
und deshalb reden sie oftmals noch von Sachen

Ich geb mir aber Mühe, feige sein soll wegwerden
deshalb nachts, ne

komm ich in Ruhe an
und wenn es noch so lange andauern muss

war's wenigstens nachts und nicht blendend
und umso mehr Dein Rot

umso weniger als Ampelanlage
tags zuvor und tags voraus

Ich, aber nich mehr in ego
und dann wieder rein

endlich
zurück nach Haus zu Dir

wenn es nicht mehr nur eine halbe Nacht sein braucht
wenn Du ein Abenteuermädchen bist

und Überspielen ertragen könntest
bis es nicht mehr dunkel sein muss

anders krieg ich's wohl nicht hin
von allein

nachts, ne
wenn Du wieder gibst

und ich nur nehmen kann
was mir übrig bleibt

denn ich bin nur der Junge
aber Du bist das Mädchen

tags, ne
wenn Du wieder stärker bist

und fragst, vielleicht, innerlich, rhetorisch
warum kann er nicht mehr Mädchen sein



Mittwoch, 26. Oktober 2016

das ist frEmde und Fremde

red ma deutsch
ess auF du klon
geb ma ketschupp rübber

musste sich der Kumpel anhören
immer und iMmer wieder
von leuten


welche Wissen
was ein befehl Isst
nicht abEr ein imperatiumtiv

immer und immer wieder
von sechs biS zwölf
und von Sechs bis Zwölf

dann schließlich war er endlich soweit

und sagte zu einen kumpels
auf der eRsten klassenfahrt

ey - red ma deutsch
ess auf du klon
geb ma ketsChupp rübber

dann fanden sie ihn doof

er konnte Ja nicht deutschsprechen
und deutsch konnte er ja auch nich

auch nicht sein
auch nicht geWesen sein

geht Ja gar nich

da war er dann allein

so oFft
immer und immer wieder

und Summen kam dazu
wurrde möglik
war dann drin

ergab Sich von selbst
das war keiner Frage mehr
wundeRte sich stumm und Stil

und weil er so viel allein war
sprach er nicHt mehr so viel
und wen doch


dann sprach er nur mit sich selbst
zu sich selBst

so oft

denn die familie
sprAch bisher nur fremde
und Fremde bis hierhin

auch Sie

die FammIlie
war schon länger

vor ihm
endlich
soweit geMacht worden

und er war ja der Jüngste
aber eben nichT mehr der jüngste

der kleine kärl

schon kurze zeit später

konNte er
auch nicht mehr

reden
nicht mal mehr reden
nicht mal meHr mit sich selbst

zu sich seLbst
er war so weit

dass er sich selbst nicht mehr

verstehen
konnte
so stAnd er dann


oft allein an der straße
und laUschte
dorthin wollte er dann doch noch gehen


weil er sich an
der regeLn hielt
und hofFfte

und eines tages

noch viel später
fuhr ein junGe mit seinem Geländerat

durch die straße und Hochstarrt 
und weiter einer omma in den rÜcken
und ließ sie fallen

nahm ihre handtaschen

und fuhr mit dem rad
wieder Weg

eine nachtbar

hatte nUr
den zwölfjährigen gesehen

querbeet
kam zu spät
erschien zu speet

nach dem zwölfjährigen wOllte der nachbar
in der gebottenen geschWindigkeit
scheinbar gar nicht sehen

und wEil der fremde zu dieser Zeite 

an dieser Straße stund und strasste
und lauschte

nicht aber sprechen konnte
war er schuld
und Schuld

da schickten die leute ohne imperativ

die Fremde 
wieder nach hause

und die omma kam ins kranken haus


zuhause konnte der frÄmde
aber auch nicht mehr sprechen

weil er eben

so lange nicht
meer
zu haUse gewesen war

da hatte er garkein zuhause mehr

stellte Er fest
musste er feststellen

somit stellte er sich wieder an die straße
und lauscHte
lief von da an immer wieder


in die Strasse
und lauschte
und eineS tages


noch viel später
fuhr ein junge mIt seinem GeländeRat
durch die straße

und weiter mit Hochstarrt einer oma
in Den rücken
und ließ sie fallen

nahm ihre handtaschen

und fuHr mit dem Rad
wieder weg

eines nachtsbar hatte nur des fremden gEsehen
den deutschen bis da hin
und den deutschen dort

schlug den deUtschen Fremden sofort 

gerÄcht ins gesicht und trug die oma
in eins krankSenhaus

und weil der Deutsche fremden ja nicht

sprechen konnTe
kam der deutsche fremden

ins gefängnis
der Fremde sowieso
dA konnte der deutsche Fremde


nicht mal mehr
an der straße stEhen
und lauschen

das ist fremde
und Fremde

immer und immer Wieder

In diesem anderen Land



Sonntag, 18. September 2016

andere Welt

Ich hab für Dich Orangen und Zitronen und Feigen und Oliven
und wenn nicht, dann geb ich Dir das, was ich hab
wenn Du meine Gründe betrittst
so lange ich übrig bin
setz Dich
entspann Dich
ein Boden kann ein Tisch sein
ein Boden kann der größte und weiteste und tiefste Tisch sein
an welchem alle Platz finden können
auch die anderen
und wenn wir selbst nicht rauchen
dann rauchst Du bitte, wenn Du so bist
wir besorgen Dir die Zigaretten
wir gehen für Dich dorthin, wo sie zu finden sind
wir belehren Dich nicht
und wir essen
und trinken
in der ganzen Welt
und machen uns nichts vor
und was sie uns genommen haben
holen wir Dir zurück
und sei es ein letzter Gedanke
und wir hören Deine Geschichten
und erzählen unsere, wenn Du magst
auf dass der Wind alle Sprachen für uns übertragen kann
und wenn wir nicht so sind
entgegen aller Urteile
dann haben wir versagt
genau wie Du
in einer anderen Welt



Donnerstag, 15. September 2016

Wetterrasse

Freiheit, Süße
bist noch nicht geborn
warst vielleicht mal kurz ein Trend in buntem Hemd
was wir uns zusammenreimen
wie sie munkeln
immer und immer wieder
von Bürgerkrieg schon wieder
wie wir nicht gelassen sind
wie wir reden
was wir sagen
wovon wir sprechen
wie wir mit dem Hammer zeigen
jedes noch so dünne Span
Blutfettwerte
zuckerkrank
energiegeladen
wie wir Feuer machen
hetzen, hassen, richtig sein
gleiches Recht für alle
Bürger Rinnenkrieg
Bürgeres
bürgeresk
die Sprache verkommt, wie sie sagen
wirklich ?
sie passt sich an, oder ?
und verbrennt, schmurgelt, lodert
sengt, zerfrisst
kann ich nicht hören
es hat sich ausgeduldet
Kaffeedurst bis Lippenkäse
Geifer zu Klärschlamm
die totale Lösung
spucken, rotzen, Benzin für Gas ins Feuer pumpen
schemische Reaktion
das kann uns niemand übel nehmen
drei Schinesen mit dem Kontra; Bass
Ich bring dich um, du Sau
Ich will dich nicht mehr sehn
Du dreckiges Schwein
Aufräumen und Saubermachen
Fegefeuer
nicht reinigend
säubernd
Ich werd dir zeigen was die Lehre ist
Du wirst jetzt lernen, was ich will
da hab ich keine Angst vor
Es ist nicht die Angst, die die Wut zum kochen bringt
es ist meins; und nicht deins
Und Schlagstock, Pistole und Gewehr
da lach ich doch drüber, viel zu umständlich
Ich hätt so gern nen Flammenwerfer
das wär ein Heidenspaß
überleg dir das mal, was man damit alles anfangen könnte
mit deiner blöden Fratze
pass auf, bald hab ich dich am Kragen
Frollein, Freundchen, asoziales Blag
Wehe, wenn ich dich noch einmal seh


Freiheit, Süße
bist noch nicht geborn




Montag, 12. September 2016

Wohlsein und Würde

wär nich schön
wenn n Hippie ne teuer Karre fahren würde
n Banker in ner frischen Flickenbuxxe auftreten
Theater und Schauspiel zum Beispiel auf m Wochenmarkt
ne Rockerin und n Rocker Ärztin und Arzt
Deine Mutter die wahre Bundestagspräsidentin
wenn se so will
und ein Vater schält so filigran die Kartoffeln
und räumt auch alles wieder auf; putzt als Strahlemann
wenn er so wollte
die feinsten Bratkartoffeln und Fritten machen könnt
Und Dein Geschwister schreibt ne Karte aus Battipaglia
während Oppa und Omma auf e Veranda sitzen; und fragen
Na, wie war ett denn heute
willst e noch watt essen; datt geht schnell warm
und wir fragen zurück und antworten nicht zuerst

wir machen auch mal was; unternehmen nicht erst dann
Und ne Tiefkühlpizza allein
nich nur Pappe mit Gewürz und Fitzel

ein Fisch nicht zu Angst auf Prozentanteil reduziert
ne Mutter noch Zeit für n Ponyhof übrig hätt
und Füttern nirgends mehr verboten wär
jede Bude aus massivem Material
Milch in alle Länder käm
und Äpfelchen aber auch
Wasser nicht als Luxus gilt
und alle Kinders segeln könnten; und von Segeln wüssten
ne Erzieherin noch was mit Zauberei machen dürfte
und Begriff als Vor-Urteil abgelöst und aufgelöst
Ein Fahrrad von der Post n E-Bike; zumindest, mindestens
Fernsehen aus jedem kleinsten Winkel heraus; nicht nur Programm
elektrische Zahnbürsten für immer halten würden
nur noch so die Köpfe ausgewechselt werden
Fahrrad lernen wieder Wunder wär; so gefühlt; von kleinauf an
Fahrstuhl fahren nicht Pudding in den Beinen; gut für den Bauch
und ne Frau mit zwei Kindern nich nur zwei Würstchen kaufen kann
sich das leisten können; und darüber hinaus für mehr Kinderessen
und ein Vater an der Ampel nicht von Kind an wegsieht
ein Kind sich nicht mehr schämen muss

nicht mal ansatzweise mehr verwundet wird
Luxus nicht von Menschen gemacht sein
die Liebe jede Religion verspotten könnt; gleichfalls
Silvester nicht nur als Dubai als Highlight knallen
lecker Muscheln nicht nur für paar Monate
die Gerüchteküche nicht mehr klappen würde
Sprache nicht so wichtig wär wie Krieg
n Kopf nich an ne Dunstabzugshaube dellern
Gespenster raus, Gespinste her
sie tragen keine Rechte
wir haben unseren Beitrag geleistet; verdient
wir sind von Anfang an da durch gegangen; oftmals heimlich sogar
Baustellen endlich für alle Beteiligten guten Krach machen
Süchte nur noch schön und Wertschätzung
Rauch nicht mehr in über siebzig schlechten Stoffen besteht
Obst nicht sündhaft teuer ist; für und gegen jede Teilhabe
Pflücken ein Spaziergang ist
Freispiel keine Lehre
und Platzwunden nur noch mit gickern und ohne leiden
Verdingkinder müssen nicht mehr weitermachen
Schlüsselkinder sind schon groß und wollen das so haben
selbst und selber
Prügelkinder kennen wir nicht mehr
kleine Biester und süße Monster sind ausverkauft
die Raben sind ein schöner Herbst
und Stille niemals Ignoranz
Stachelbeeren wieder nebenan aufwachsen; mit Rhabarberstrünken
ett is nich ekelich; es ist nicht voller Dreck
und Spucke wieder für Brennesseln ausreicht; kühlt und lindert
all solches farbig, froh und fruchtig
und Saures wirklich nur noch süß und lustig macht
die Tage nicht mehr blenden
die Nächte ohne Teufelsgeiger reichen
niemand mehr blendend aussehen muss
Licht und Sonne für immer friedlich sind
Befehle schlichtweg als Imperative verbleiben
und warum nicht Flieder züchten
wenn es dann für immer leuchtet und duftet
Geschwister nicht verbiegen und verrenken
Spargelstechen nicht für arm und Rücken ist
mindestens vier Jahreszeiten an der Moldau sind
die Seen und Flüsse betten wir uns selber ein
wir schlafen doch nicht gern auf Müll
Wiesen, Wipfel und Kronen schneiden wir aus Postkarten heraus
vollidiotisch wird uns lieb behutsam
wir investieren uns nicht mehr kaputt
und rote Ampeln nicht stressen; sondern gut und Gut
für küssen und knutschen werden
Kirmes nicht zu Attraktion vergammelt
und jede, jedes und jeder ein feines Bäumchen
für die ganze Stadt gepflanzt
wär schön
oder etwa nicht




Montag, 5. September 2016


Fliederwand

rausdürfen, endlich
Augenkneifen, der Sonne wegen
knippern, die Kruste muss ab
wohin, wohin zuerst
sind noch alle da
an der Bank, die Spucke und die Malzeichen
auf der Rutsche, die Mutigen mit Rad oder Kopfstand
auf der Reifenschaukel, so einfach singen und fliegen
die ganze Combo, so losgelöst
und wie der Reifen sich dreht
und wie da angschubst wird, von den anderen
behutsam, wenn gesungen wird
nicht gegen den Balken gedonnert, als Mutprobe
Auf dem Donnerbalken
saßen die Gestalten
und sie schrien nach Klopapier, Klopapier
Aber alles schon besetzt
und sie gucken weg
weil sie nicht verstehen, sich aber vorstellen können
und sie gucken weg, in gut gemeint
alleingelassen, aber nicht schämen müssen
trotzdem schämen, wie auch immer
aber nicht reden müssen, oder sprechen
Ganz ruhig
da vorne, bei Schneiders
an all dem anderen vorbei, mittendurch, nur wenige Schritte
wenn sie ausgelassen beschäftigt sind, eher unauffällig
Die Schneiders im Kittel, und Schürze extra oben drüber
und sie schimpft, und sie schreit, und sie schwingt den Besen
wenn wir Osels, die Kinders, zu nah an ihrem Grundstück stehn
Ich kann nicht anders, wenn rausdürfen, endlich, angelangt ist
Dann muss ich dahin
vor die Fliederwand
Ihr Eckstück, die lange Seite am ganz geraden Bordstein dahin
gegenüber der Straße, hinter den zwei Bürgersteigen, so nah angrenzend
Ein Mann oder Opa oder Oppa oder Großvater ist nicht mehr da
Sie schreit immer nur allein
dabei ist der Flieder so schön, so wehend nebeneinander
so wiegend und so vorsichtig, so ganz ein bisschen
wie flüstern und schmunzeln
und leise alles sagen können, ganz deutlich, sogar so laut sehen
ganz angenehm, in so gemütlich leise, all das einfach endlich hören können
was gut ist und was weh tut, und wie es heilemachen kann
und wie es nicht schlimm ist
wenn der Flieder schunkelt und funkelt und leuchtet und glitzert
wie Blüten sogar spiegeln können und gar nichts blendet
und sogar nichts mehr vom Gucken in den Augen wehtun kann
wenn man gar nicht mehr weggucken muss
wenn man endlich erledigt, wieder nur für schön zuhören darf
und sehen, wie die Fliederwand sich anfühlen kann
wenn die Schneiders wieder schreit und verjagt
wenn sie das so will
aber das dann gar nicht mehr geht, es nicht mehr greifen kann
sie ist nicht mehr zu hören, sie ist nicht mehr zu sehen
wenn der Flieder wiegt
und wenn der Bordstein gegenüber
die schöne Grenze neben der Straße ist
gegen diese niemand mehr sein kann
Und dann sitzen, die Borde fühlt sich gar nicht hart an
sie tut nicht weh, egal, wie lange dann ein Stunde ist
oder die Zeit bis Abendbrot
und der Ruf laut wird
und wieder aufstehen müssen
wenn die Beine so gemütlich müde geworden sind
und die Hände gute Stütze warn
und die Ellenbogen mal endlich Pudding in gut
das Biegen keinen Schmerz verursachen kann
Biegen eine Spannung ist, wie auf Trapez
für schön und gut und anmutig, für vorwärts
und die Handflächen, die so wohlig weichen Bäckchen in der Hand
von innen ganz warm, und kleinste Steinchen der Schrittplatten
gar nicht pieken oder zwirbeln, wenn sie wie feine Erde sind
gute Klumpen, kleine Klümpchen
und Ausruhen
Und in den Schuhen alles mögliche vor sich herschieben können
auch die kleinsten Dinge
und nach links und nach rechts und wieder zurück und hin und her
ein Stein zum Steinchen oder Kiesel klickert
sich das einfach gut anhört, auch das kleinste zu hören ist
auch in der Rinne, sogar mit Hacke, Kicken sein kann, wie sonst nur mit Ball
so klein in so groß, auf kleinstem Platz, und nichts geht mehr daneben
und vielleicht gurgelt dann
sogar der Gully nicht mehr
und auf den Boden gucken ist gar nicht mehr nötig
die Erde wird gefühlt
was daraus geworden ist, aus all den anderen Resten
die kleinsten Teilchen dort
auch in schwarz und dunkel nichts Schlimmes mehr bedeuten müssen
auch keinen Dreck
In Ruhe aufsehen und hingucken, nach vorne hin voraus
an die Fliederwand
auf der anderen Seite, da gegenüber
und Jägerzaun ist keine Grenze, und Maschendraht auch nicht mehr
und mauern übersehen
wenn nur noch eher dünne Äste feine Strünke sind
welche diese feinen Farben tragen
was ganz anders ist als kornblumenblau
direkt vor der Haustür, nicht erst so weit weg in den Feldern
dieses eigene leuchten
und schnuppern und zischeln wie flüstern in ganz schön
und wie es duftet und nichts nach Seife schmeckt

wie es so herüberweht, natürlich, ganz einfach so, erblüht
die Ruhe endlich einkehrt
und die Kraft erwacht und sich ganz leicht wiederfinden lässt
kein Glaube und kein Wunsch mehr nötig sind
wenn es wirklich wahr ist
wie sich das da anfühlt
und Ansehen erlaubt
Und wenn die Arme dann wieder im Schoß landen
und die Beine wieder beieinander stehn
nichts mehr hin und her geschoben werden braucht
dann lässt die Schneiders auch den Besen sinken
und sieht genauso aus wie vorher
aber das Schreien ist weg und das Verjagen auch
Sie ging dann rein
und da klapperte auch kein Geschirr mehr aus der Küche raus
So eines Tages, scheinbar ganz von selbst, keine Ahnung
da muss ich wohl noch drüber nachdenken, nichts übersehen
vielleicht bisher zu viel nur einseitig betrachtet oder gefühlt
Der Flieder schob sich zusammen, die einzelnen Blütenkörbchen
wie die liebe Zudecke in der Nacht
Strünke zu Stärke, Ast ist stärker als Holz, Kraft wie ein Fort
es geht nicht nur um Burg und Stein und Stahl, so unbeweglich
und dann so innerlich sagte: lass es gehn, lass es einfach gehn
wann immer Du magst, wo immer Du stehst
Du brauchst Dich nur zu erinnern, Du kannst es für immer haben
es behalten, geschenkt, kostet nichts, nichts in schlecht
und so lang die Schneiders schimpft und schreit
bin ich immer für Dich da
Und wenn sie nicht mehr schimpft und schreit
und sie mich womöglich umhauen
dann kannst Du Dich an mich erinnern, ganz eigen
und endlich ankommen, ganz von selbst
egal zu welcher Zeit, für immer.